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Titisee-Neustadt - Den Krankenhausalltag in der Helios Klinik in Titisee-Neustadt erkundete der afrikanische Chirurg William Thompson, der jetzt wieder mit einem noch größeren Schatz an Erfahrungen in seine Heimat Ghana zurückgekehrt ist. "Am meisten beeindruckt haben mich die Vielzahl der alten Patienten und die Operationen, bei denen auch im Notfall so viele Ärzte anwesend sind und alles so reibungslos abläuft", zeigte sich der 48-jährige Afrikaner stark beeindruckt.
In seiner Heimat ist das ganz anders. Dort gibt es nur wenige Chirurgen und die müssen alles können: "Vom Knochenbruch über den entzündeten Blinddarm bis hin zum Kaiserschnitt und alles ohne Assistenz." Gerade mal 2000 Chirurgen gibt es für 500 Millionen Afrikaner. Anders als viele seiner Kollegen, die nach der kostenlosen Chirurgenausbildung in die USA auswandern, möchte er in seinem Land bleiben und den Menschen dort helfen. "Ich finde es unfair, die Ausbildung ist doch kostenlos und uns fehlen in Ghana so viele Ärzte", bedauerte er die Einstellung seiner Landsleute. Ghana investiert sehr viel in eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und steht somit viel besser da als die Nachbarländer. Immerhin konnte damit die Lebenserwartung, die in anderen afrikanischen Staaten bei einem Durchschnitt von 40 Jahren liegt, auf 60 Jahre verbessert werden.
"Aber es gibt immer noch sehr viel zu tun, wie beispielsweise Malaria, die den größten Anteil der Erkrankungen einnimmt", informiert Thompson. "Wir kämpfen aber auch gegen HIV, Tuberkulose und gegen die Medizinmänner, die immer noch einen großen Status bei den Menschen in unserem Land besitzen", erklärt er weiter. Allzu oft kommen sie dann in das Krankenhaus, wenn es schon fast zu spät ist. "Dann freut es mich am meisten, wenn ich Menschen retten kann", lacht er herzerfrischend. Thompson kam durch die Vermittlung der Chefärztin der Unfallchirurgie und Orthopädie, Gabriele Holoch, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft Tropenchirurgie, in den Schwarzwald.
"Es ist besser, Wissen vermitteln, als nur nach Afrika zu fliegen, um dort zu operieren", sagt sie. "Wir geben deshalb in Afrika Kurse und laden Ärzte zu uns ein", informiert sie weiter über die Arbeit ihrer Gesellschaft. Dabei gehe es nicht unbedingt um Spezialoperationen, sondern um erprobte Verfahren, die im Alltag verwendbar sind.
Als schade empfindet Thompson, dass die fehlende technische Ausrüstung wie beispielweise die in Europa gängige spezialisierte Endoskopie, es in seinem Land nicht erlaubt, viele Krankheiten schon früh zu erkennen. "Wir machen die Minimalinvasive Chirurgie gar nicht, weil uns einfach die Ausrüstung dazu fehlt", bedauert er. Höchst selten wird in Ghana die normale Endoskopie angewandt. "Höchstens von ganz reichen Patienten, die selbst bezahlen", unterstreicht er die medizinische Situation. Kostenlos dagegen ist die Grundversorgung, die im afrikanischen Vergleich sehr gut ausgebaut ist.
Thompson hat es gefallen im Schwarzwald. Zusammen mit seiner deutschen Kollegin, ist er nach der Arbeit in Titisee bummeln gegangen und hat das Uhrenmuseum in Furtwangen mit ihr besucht. Und das hat ihn ziemlich beeindruckt. Seiner Frau und seinen vier Kindern bringt er deshalb ein typisches Ferienmitbringsel mit. "A Kuckuck clock", strahlt er und lacht tief, dass sein Bauch wackelt.
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