Menu Content/Inhalt
Home arrow Kultur arrow Langlauf-Erfolgsgeschichte wird lebendig
Langlauf-Erfolgsgeschichte wird lebendig PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 3
SchlechtSehr Gut 
Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Tuesday, 10. March 2009

Hinterzarten - Die Zipfel-Brüder aus Kirchzarten haben Langlaufgeschichte geschrieben und sind in Sportkreisen noch heute ein großer Begriff. Über vierzig Deutsche Meistertitel erliefen sich die vier Brüder in den 1970-er Jahren und haben damals schon bewiesen, dass der Schwarzwald durchaus mit den nordischen Langlaufmetropolen mithalten kann. Außerdem gehörte das Quartett zu den ersten Langläufern, die das heute bei Langlaufwettbewerben ausgeübte Skaten beherrschten. Jetzt haben die erfolgreichen Brüder ihre Medaillen, Fotos, Urkunden und alte Langlaufski dem Skimuseum in Hinterzarten gestiftet, wo sie in Vitrinen einen würdigen Platz fanden.

In einer kleinen Feierstunde, zu der die vier Zipfels auch ihre 84-jährige Mutter Maria und ihre einzige Schwester Monika mitbrachten, bedankte sich Museumsleiterin Brigitte von Savigny für die überlassenen Erinnerungsstücke. "Ich finde es schön, dass wir jetzt neben einer Kappe von Martin Schmitt und einem Skisprung-anzug von Sven Hannawald und anderen erfolgreichen Schwarzwälder Wintersportlern auch von Euch wertvolle Erinnerungsstücke in unseren Vitrinen ausstellen können", unterstrich Georg Thoma, Initiator und Unterstützer des Skimuseums.

Thoma, dessen Geschichte vom Hirtenjungen zum Olympiasieger weltweit Furore machte, erinnerte an die damaligen Zeiten, in denen die Familien stark zusammenhielten und es nur wenige Sponsoren gab. Sponsoren waren Mangelware auch in den Zeiten der vier Zipfel-Brüder. Viel zum Erfolg beigetragen hat der Förderkreis, den Hans Ott aus Kirchzarten zusammen mit anderen Sportsfreunden gründete, um den begabten Buben bessere Möglichkeiten zu bieten. "Ich musste schauen, dass zu den Wettkämpfen die Sportkleidung meiner Buben immer gewaschen und in Ordnung war", erinnerte sich Maria Zipfel, die anfänglich noch keine Waschmaschine besaß und alles von Hand waschen musste. Grund genug für den Förderkreis, Mutter Maria eine Waschmaschine zu schenken, die ihr die Arbeit erleichterte. Mit Stolz blickt Mutter Maria heute noch auf ihre erfolgreichen Jungs, die ihr viel Freude bereiteten. Später schenkte der Förderkreis den Vieren zur Fahrt an die Wettkampfstätten und zum Training noch einen VW-Bus.

Vieles haben die Zipfel-Brüder ihrem Entdecker und Vereinstrainer Pius Hug zu verdanken. "Samstags war mein Tag, da habe ich die Ski präpariert, die Jungs zu den Wettkämpfen begleitet und war immer dort, wo sie mich brauchten", erinnert er sich gerne an diese erfolgreiche Zeit. Rund 40 Deutsche Meistertitel haben Georg (55), Thomas (53), Peter (52) und Ulrich Zipfel (42) in ihrer aktiven Zeit gesammelt. Bereits als Junior gehörte Georg zur Creme de la Creme im Skilanglauf und nahm 1972 dem um 18 Jahre älteren Walter Demel aus Zwiesel den Meistertitel ab. 1973 war er Junioren-Europameister und 1976 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck machte er als bester Mitteleuropäer mit einem siebten Platz von sich reden. Nationale Meistertitel erlief er sich auch 1974, 1976 und 1979. Sein jüngerer Bruder Peter war bereits im Alter von 20 Jahren Vierter bei den Holmenkollen-Spielen in Oslo. Vierter war er auch mit der deutschen Staffel bei den Olympischen Spielen in Lake Placid/USA. Thomas gewann mit seinen Brüdern 1977, 1978 und 1980 den Deutschen Meistertitel in der Vereinsstaffel über viermal zehn Kilometer. Der jüngste Bruder Ulrich war von 1985 bis 1991 Mitglied der Nationalmannschaft. Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft des stark sehbehinderten Biathleten und Skilangläufers Frank Höfle und begleitete ihn als Begleitläufer im Behindertensport. Das Duo hatte Erfolg und gewann bei den Paralympics 1992 in Albertville dreimal Gold. Hinzu kamen in der Zeit von 1991 bis 2003 neun Weltmeistertitel. Von 2003 bis 2006 war Ulrich dann mit dem blinden Biathleten Willi Brem aus Freiburg wieder erfolgreich. Mit ihm gewann er ebenfalls bei der Olympiade und bei Weltmeisterschaften.

Georg Zipfel schnuppert immer noch gerne Wettkampfluft und trainiert seit Jahren Langläufer des Deutschen Skiverbandes. Momentan ist er als "Sportlicher Leiter Langlauf der Junioren Weltmeisterschaften" in Hinterzarten 2010 mit der Organisation am Notschrei beschäftigt. Während sein Bruder Thomas eine Lehrerstelle inne hat und als Grafiker und erfolgreicher Cartoonist von sich reden macht, geht sein Bruder Ulrich dem Beruf als Physiotherapeut nach.

 
< zurück   weiter >