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Wie der Bauer zum Kosmetiker wird PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Tuesday, 10. March 2009

Hinterzarten - "Molke" ist ein natürliches Schönheitsmittel, das schon die schöne Cleopatra mit Erfolg zu nutzen wusste. Erkannt hat das jetzt auch der Schwarzwaldbauer Martin Braun (45) aus Hinterzarten. Seit einiger Zeit bewegt er sich mit seiner eigenen Kosmetikmarke "Ospelehof Schwarzwald Kosmetik" erfolgreich auf dem Schönheitssektor.

Mit seinem Marktauftritt schlägt er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Das beim Käsen anfallende wertvolle Nebenprodukt Molke wird in seinen Pflegecremes genutzt und außerdem dient die Kosmetikserie zur Erweiterung seiner regionalen Produktpalette in seinem Hofladen.

Martin Braun war einer der ersten Landwirte, die den Wert regionaler Erzeugnisse erkannten. Zur Verbesserung seines Einkommens stellte er aus der Milch seiner Kühe selbst Käse her, den er genauso wie den Schwarzwälder Schinken und andere regionale Produkte, in seinem Hofladen und auf den Märkten der Region verkauft. "Die Molke ist ein Naturprodukt, das man auch das {sbquo}Serum der Milch' nennt", erklärt Braun und freut sich, dass seine Cremes und Lotionen sich langsam, aber sicher steigender Nachfrage erfreuen. Auch einige Hotels in der Region behandeln ihre Wellnessgäste mit der Molkekosmetik aus Hinterzarten. Verkauft wird die Kosmetika auch in verschiedenen Apotheken.

"Durch den hohen Gehalt an Frischmolke enthalten die {sbquo}Schwarzwald Cremes' besonders viel Vitamine, Proteine, Aminosäuren und Mineralstoffe", versichert Ehefrau Jutta, die volle hinter den kosmetischen Marketing-Aktivitäten ihres Mannes steht. Neben dem Hautbild wird der Säureschutzmantel der Haut verbessert und außerdem sollen die "Ospelehofprodukte" rückfettend und entzündungshemmend sein sowie auch bei Sonnenbränden Linderung schaffen. "Wir verarbeiten mittlerweile bis zu 200 Kilogramm Molke pro Jahr mit Ölen und Wachsen für unsere Kosmetikprodukte", freuen sich die Brauns über den guten Anklang ihrer Kosmetik. "Der Molkeanteil in den Rezepturen ist etwa 70 bis 80 Prozent hoch", erklärt Braun weiter.

Er ist einer, der die Nase immer im Wind hat und neuen Ideen aufgeschlossen ist. Schon lange stellte er Überlegungen an, was man mit der Molke anstellen könnte, um sie sinnvoll zu verwenden. Verwendung fand er für die Molke schon. Allerdings höchstens als Badezusatz in der eigenen Badewanne, zum Trinken oder zur Fütterung der Kälber. Aber dann blieb immer noch so viel übrig, dass die wertvolle Molke einfach weggegossen werden musste. "Immerhin fällt beim Käsen ein Drittel der verwendeten Milch als Molke ab und bei etwa 22000 Liter Milch, die wir hier pro Jahr zu Käse verarbeiten, ist das eine ganze Menge", sagt der 45 Jahre alte Landwirt, der die glatte Haut eines jungen Burschen besitzt und von der Wirkung seiner Kosmetik vollkommen überzeugt ist.

Auslöser der Idee war eigentlich eine Kundin, die erzählte, dass sie ihre Kosmetik selbst herstellt. "Ich habe gleich gedacht, dass probiere ich auch und stöberte in Hobbybüchern nach geeigneten Kosmetikrezepturen", erinnert sich Braun an die Anfänge. In der Braunschen Küche mussten die Kochtöpfe seiner Frau zum Anrühren der Cremes herhalten. Nachdem er verschiedene Standartrezepturen ausprobierte, hat er aber schnell festgestellt, dass die Kosmetikverordnungen relativ enge Grenzen setzen. Besonders schwierig war es, die Molke stabil zu halten. Also holte er sich zur Herstellung geeigneter Rezepturen professionelle Hilfe und entwickelte seine ersten Kosmetikprodukte. "Der natürlichen Molke wurden besonders hautpflegende pflanzliche Öle wie Jojobaöl und Weizenkeimöl beigemischt und im Vakuum bis zweieinhalb Stunden lang gerührt", erklärt Braun den Herstellungsvorgang. Seit einiger Zeit muss er diese Prozedur aber nicht mehr selbst bewältigen, sondern gibt die Produktmischung samt Molke außer Haus. Gemischt und abgefüllt wird die "Ospelehof Natur Kosmetik" bei der Firma Kematen in Lenzkirch, wo Spezialmaschinen die Arbeit erledigen. "Ich bin aber bei der Herstellung anwesend, um alles im Auge zu behalten", betont der Ospelehofbauer.

Viel Spaß bereitete dem ideenreichen Landwirt das Entwickeln einer geeigneten Verpackung, die zu den Produkten, die vom Land kommen, passen musste. "Wir haben uns deshalb für einfache Pappe entschieden und in den Geschenkpackungen liegt ein echter Schwarzwald Tannenzapfen", präsentieren die Brauns stolz ihre Cremes.

Das bereits existierende Warensortiment von Tages- und Nachtcreme, Körperlotion, Peeling sowie Gesichtsmaske, die zart nach Rosen und Zimt duftet, möchten sie demnächst noch durch eine Handcreme ergänzen. Und natürlich peilt der pfiffige Landwirt bereits die nächste Vision in Form einer "Herrenkosmetikserie" an. Womit der "Ospelehofbauer" wie so oft, wieder voll im Trend liegt.

 
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