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Hochschwarzwald - Ein beflügelter Hirsch als Logo könnte schon bald den aufgehenden Stern der "Hochschwarzwald Tourismus GmbH" am Tourismushimmel heller erstrahlen lassen. In Schluchsee jedenfalls, wo sich im Kurhaus die Tourismuswerkstatt-Teilnehmer der zehn Mitgliedsgemeinden zur Ideenvorstellung trafen, um dem neugegründeten Tourismusverband Hochschwarzwald eine Marke zu geben, polarisierte der Hirsch die Meinungen.
Es zeigte sich schnell, dass ein "beflügelter Hirsch" eher Emotionen auslösen kann als ein Logo in Form eines "Kaleidoskops". Dennoch konnte man sich nicht einigen. Nach dreieinhalb Stunden kontroverser Diskussion erinnerten sich die Hochschwarzwälder an ihre Sparsamkeit. Sie beauftragten James Mc.Crow, hauseigener Grafiker der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, zu zeigen, dass er mehr kann, als zwei auf dem Tourismusmarkt erfolgreich agierende Werbeagenturen. Er soll die Vorstellungen der beiden unter einen Hut bringen und daraus ein entsprechendes Logo fertigen. Eventuell möchte man den "beflügelten Hirsch" sogar von der Werbeagentur abkaufen. Dass der Schwarzwälder nicht unbedingt schnelle Entscheidungen trifft, erfuhr der neue Tourismusgeschäftsführer Thorsten Rudolph, der den Tag lieber mit einer endgültigen Entscheidung für eines der Logos abgeschlossen hätte. Rudolph, der eher den Hirsch favorisierte, drängte auf eine verbindliche Entscheidung, musste aber doch erkennen, dass dies nicht möglich war. Der Tourismusexperte versprach, dass trotz Zeitknappheit, ein Marketingkonzept geschaffen werde, in dem sich alle Beteiligten widerspiegeln.
Präsentiert wurden in Schluchsee die Vorschläge zweier renommierter Agenturen. Bereits Hochschwarzwalderfahrung bei den "Vier Schönen" besitzt die Firma "Land in Sicht". Sie machte das "Kaleidoskop" schmackhaft. Die Freiburger Werbeagentur "qu-int", die den "Hirsch" ins Rennen warf, ist ebenfalls eine erfahrene Agentur für Tourismusangelegenheiten. Sie verhalf dem "Schwarzwald" mit der Marke "Bollenhut" zu weltweitem Bekanntheitsgrad. Löste die Präsentation der Sulzburger eher verhaltenes Wohlgefallen aus, kitzelte der "Beflügelte Hirsch" den Schwarzwäldern doch Emotionen mit konstruktiver Kritik aus dem Bauch.
Den ersten Ball warf Sparkassenchef Jochen Brachs. Er kritisierte die seiner Ansicht nach wenig profihafte Präsentation von "qu-int" und zweifelte deshalb an den Fähigkeiten der Freiburger. Ähnlich sahen es der Neustädter Michael Abel und einige andere.
Rechtsanwalt Albert Schröder zweifelte an der Nachhaltigkeit des "Kaleidoskops" und war der Meinung, dass der Hirsch einen höheren Erkennungswert vermittle. "Vielleicht könne man sich ja mit "qu-int" über einen Erwerb des Hirsches einigen", schlug er vor. Ein anderer Werkstattteilnehmer bemängelte, dass der Hirsch nach links springe und alles was von links komme, sei negativ. Der Löffinger Peter Spiegel beleuchtete den Prospekt der Sulzburger folgendermaßen: "Der Gast muss fühlen, dass er angenommen wird und das nicht nur im Prospekt, sondern auch in den Touristin- fos. Das Kaleidoskop finde ich besser, weil mehr Pepp dahinter ist", betonte er. Bürgermeister Manfred Merstetter aus Schluchsee sah es anders, er appellierte mit Blick auf die von Gästen oft beanstandete Unfreundlichkeit: "Sie müssen den Hochschwarzwald erst lieben, dann kann auch das Logo wirken."
"Land in Sicht war frischer, der Hirsch hat aber das Zeug zur Marke", betonte Bürgermeister Wolfgang Schlachter und meinte, dass das Kaleidoskop genauso gut auf einer Fußpilzcreme abgebildet sein könnte. Er schlug vor, den Hirsch etwas gefälliger und in einer anderen Farbe zu gestalten. "Das Kaleidoskop ist keine Marke und der Hirsch auch nicht", meinte Hans Matt aus Lenzkirch. "Die Marke Hochschwarzwald ist da, was wir daraus machen, ist unsere Sache und der Hirsch kann interessant sein, weil er die Energie gibt, die wir brauchen", sagte er weiter. "Hirsch ist cool, aber eine Kuh wäre noch cooler", befand ein Landwirt aus Breitnau und ein Kollege meinte: "Der Schwarzwald sind wir." Hinterzartens Bürgermeister Hans-Jörg Eckert befürchtete, dass der Schwarzwald nicht hinter dem Kaleidoskop stehe. Er forderte: "Zurück zur Bodenhaftigkeit, denn mit Hirsch und Flügel stehen wir gut da." Und Dittishausens Ortsvorsteher Georg Rieple erklärte, dass keiner das Kaleidoskop wolle. "Ein Flügelhirsch mit Schäppel wäre genau das Richtige", meinte er und musste Rudolph erst einmal darüber aufklären was ein Schäppel ist - eine typische Schwarzwälder Kopfbedeckung, die von den Frauen zu ihrer Tracht getragen wird.
Den Vorschlag des hauseigenen Grafikers bekommen die Teilnehmer baldmöglichst zugestellt. Kommen dann keine Bedenken, wird der Kompromiss umgesetzt. Jetzt steht Rudolph vor der sicherlich nicht leichten Aufgabe, sich mit den Agenturen zu einigen.
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