Menu Content/Inhalt
Home arrow Kultur arrow Sie bringt die Löffinger Damen ins Theater
Sie bringt die Löffinger Damen ins Theater PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 1
SchlechtSehr Gut 
Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Friday, 16. January 2009

Löffingen - Ich weiß nicht, ob es eine Oper gibt, die ich noch nie gesehen habe", betont Regina Köhn. Sie ist die Frau, die die Menschen aus dem Hochschwarzwald seit 25 Jahren ins Theater nach Freiburg lockt. Vor kurzem wurde ihre unermüdliche Arbeit als Hochschwarzwälder Kulturbotschafterin und ihre 25-jährige Tätigkeit als Vertrauensperson des Freiburger Theaters mit einer Auszeichnung gewürdigt.

"Mir macht es wirklich große Freude, die Menschen für das Theater zu begeistern", erzählt die quirlige 74-jährige ehemalige Politesse im SÜDKURIER-Gespräch.

In zwei Bussen fahren die theaterbegeisterten Schwarzwälder aus Titisee-Neustadt, Friedenweiler und Löffingen mittwochs in regelmäßigen Abständen zu den Vorstellungen und sind froh, dass sie die Möglichkeit besitzen, so einfach und problemlos die besonderen Theaterdarbietungen von der Oper über das Lustspiel bis zum Ballett genießen zu können. "Wir müssen nur in den Bus steigen und werden direkt vor das Theater gefahren, einfacher geht es nicht und die lästige Parkplatzsuche fällt auch weg", unterstreicht Prisca Winterhalder aus Löffingen. Schon seit neun Jahren gehört sie wie Marietta Rosenstil und vierzehn andere Löffinger zu den Dauerabonnenten, die sich keine Vorstellung entgehen lassen.

Die Theaterliebe Regina Köhns kommt nicht von ungefähr. "Schon als vierjähriges Mädchen verfolgte ich das Geschehen auf der Theaterbühne und sah alle Märchen", erinnert sie sich an ihre Kindheit im oberschlesischen Neiße, wo ihr Großvater am Theatereingang stand, um nach dem Rechten zu schauen. Nach der Flucht, bei der die alte Großmutter auf einem Schlitten mitgezogen werden musste, lebte sie am Starnberger See und dann in München. "Ich habe gesehen, wie der Bahnhof lichterloh gebrannt hat, das war wirklich schrecklich", erinnert sie sich an die Vergangenheit. Nach dem Krieg sammelte sie mit Freunden Geld für den Wiederaufbau der Münchner Oper. Im amerikanisch besetzten München fand sie auch schnell die Liebe zum Jazz und zur Musik. Die Zeit war nicht immer leicht für Regina Köhn. Ihr Mann, mit dem sie von Heilbronn in den Schwarzwald zog, verstarb früh an Krebs und sie musste ihre beiden Kinder allein aufziehen. "Die Menschen haben mich in Titisee-Neustadt gut aufgenommen und mit meiner Arbeit als Politesse konnte ich meine Kinder ernähren", verrät sie. Nie verloren hat sie ihre Leidenschaft zum Theater. Wenn sie Geld übrig hatte, dann investierte sie es für Theaterkarten. Einer der Gründe, nach Neustadt zu ziehen, war die Nähe zu Freiburg und natürlich zum dortigen Theater. Sie wurde erst einmal Mitglied der "Theaterbesuchergemeinschaft". 1983 nahm sie das ehrenamtliche Angebot an, die Gruppe zu leiten und ins Theater zu führen.

Das Rad bewegte sich, es galt erst einmal für 15 bis 20 Theaterfreunde Abos und die Fahrten nach Freiburg zu organisieren. Das Interesse stieg und damit auch die Abonenntenzahl. "Zeitweise sind es 60, aber auch mal mehr oder weniger gewesen", unterstreicht sie und freut sich um so mehr, dass sie in der neuen Saison zwanzig Abos mehr verzeichnen konnte. "Es ist zwar eine Heidenarbeit, die Karten zu verteilen, die Sitzordnung zu berücksichtigen und die Rechnungen zu schreiben, aber ich bin voll bei der Sache", strahlt sie. Sechs Vorstellungen zu vergünstigten Preisen bietet das Theater an. Die Fahrt wird extra berechnet. "Aber die Preise sind erschwinglich und wenn man bedenkt, was früher eine Theatervorstellung gekostet hat, dann ist es heute richtig günstig", untermauert sie die Abo-Vorteile der Theatergemeinschaft. Kann ein Abonnent aus irgendwelchen gründen die Vorstellung nicht besuchen, kann die Karte auch weitergegeben werden. "Auf keinen Fall verfallen lassen", appelliert sie. Und dann versichert sie: "Manchmal entsprechen die Stücke vielleicht nicht ganz so den Vorstellungen der älteren Generation unter den Theaterbesuchern, die vieles nicht so direkt angesprochen haben möchten." Aber dann erklärt Köhn das eben dargebotene moderne Stück, in dem auch in der Oper Sex eine Rolle spielt, noch einmal ganz genau. "Die alten Opern werden in die neue Welt reingezogen", versucht sie die moderne Theaterwelt schmackhaft zu machen. Beim Besuch der nächsten Vorstellung ist das Verständnis für die jungen Theatermacher dann schon wieder etwas größer.

 
< zurück   weiter >