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Neustadt hat jetzt auch einen echten Lenk PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Wednesday, 12. November 2008

Titisee-Neustadt - Die Neustädter Geschäftsfrau Ingrid Voelter weiß, wie man mit guten Ideen Aufmerksamkeit erregt und Kunden anlockt. Seit Freitagabend präsentiert sich vor ihrem Schuhgeschäft "Der Schwarzwälder", eine Skulptur des bekannten Künstlers Peter Lenk, die bereits bei der Enthüllung großes Interesse erregte. Ein kleiner Wermutstropfen allerdings zeigte sich bei den über 50 Anwesenden. Der mit Spannung erwartete Künstler aus Bodmann ließ sich wegen Krankheit entschuldigen.

Was den Konstanzern ihre "Imperia" ist, könnte den Titisee-Neustädtern schon bald ihr "Schwarzwälder" sein. Beachtung wird sie sicherlich erregen, wenn auch die nur ein Meter hohe Skulptur "Der Schwarzwälder" viel niedriger ist als die zehn Meter hohe "Imperia". Denn Lenks Exponate sorgen immer für Gesprächsstoff. Entstanden ist die Idee im Rahmen der "Neustadtour", ein Projekt des Arbeitskreises Handwerkstatt, der Titisee-Neustädter Zukunftswerkstatt, die mit neuen Ideen versucht, das vor sich hinplätschernde Geschäftsleben der Wälderstadt mit einer so genannten Kunstmeile wieder etwas in Schwung zu bringen.

"Iris hat es geschafft, einen Lenk nach Neustadt zu holen", erklärte Wolfgang Fugmann bei der Enthüllung der Figur.

"Der Schwarzwälder" jedenfalls ist ein mit knitzigen Augen zufrieden dreinblickender Geselle, der bis auf sein einziges Kleidungsstück, ein paar Sandalen, nackte Tatsachen zeigt. Gelungen ist der innovativen Neustädter Geschäftsfrau auch die Symbiose von ihrem Verkaufsobjekt "Schuh" zum "Schwarzwälder". Zahlreiche Fußspuren führen am "Schwarzwälder" vorbei direkt ins Schuhgeschäft. "In Neustadt wird nicht nur von Kunst geredet, sondern auch Kunst gelebt", verdeutlichte Fugmann.

Auf die Idee, eine Figur Lenks schaffen zu lassen, kam die Tochter von Ingrid Voelter, die ihre Mutter gleich dafür begeistern konnte. "Den Pinkelstein aus dem Atlasgebirge, auf dem die Sandsteinskulptur 'Der Schwarzwälder' seinen Platz fand, hat der Neustädter Künstler Raimund Timm beschafft", informierte Bachmann das begeisterte Publikum. Mit dem Bildhauer Thomas Matt, übernahm ein echter Schwarzwälder denn auch die Einführung. "Ich frage mich manchmal, was vom Hochschwarzwald noch übrig bleiben wird, wenn die letzten Sprungski in Staub zerfallen sind", betonte Matt mit Blick auf die verwaiste Innenstadt und das um sich greifende Ladensterben in der Wälderstadt. "Noch ist es nicht viel, was der Schwarzwald an Kunst vorzuweisen hat, aber Neustadt macht und schafft Kunst", unterstrich er die Eigeninitiative der Handwerker. "Wird Neustadt doch noch eine liebenswürdige Kleinstadt?", fragte sich Matt. "Die Pflanze ist gesetzt und muss jetzt nur noch gegossen werden", zeigte er sich hoffnungsvoll. Dabei verwies er auf die Geschichte der Lenkfigur "Imperia", einer Kurtisane, die im Konstanzer Hafen steht und die die Gemüter erregte. "Sie ist ein Denkmal der Kaufleute", erinnerte er. Auf den von Lenk geschaffenen "Schwarzwälder" eingehend, erklärte der Bildhauer: "Er zeigt Fakten, einen Bierbauch, hat kurze Beine und zeigt ein bisschen Verschlagenheit, er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus und braucht keine Kleider."

An die Bescheidenheit des Schwarzwälders erinnernd, meinte Matt, dass er keine Kleider benötige. "Hauptsache Schuhe, denn er ist mit dem zufrieden, was er hat", umfasste er die Lenkskultpur, mit der sich Neustadt auf seiner "Neustadttour" noch eindrucksvoller präsentieren kann.

 
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