Menu Content/Inhalt
Home arrow Kultur arrow Olympia ist immer noch ein Traum
Olympia ist immer noch ein Traum PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 1
SchlechtSehr Gut 
Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Wednesday, 29. October 2008

Hinterzarten - In Hinterzarten trainieren die Skisprungdamen der Deutschen Nationalmannschaft bei einem Trainingslehrgang besonders fleißig. Können sie doch jetzt auf dem Weg zur weltweiten Anerkennung ihres Sports wenigstens einen kleinen Erfolg verbuchen. "Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2009 in Liberec in Tschechien steht erstmals das Damenskispringen auf dem Programm", freuen sich die Frauen und ihre Trainer.
.

Weiter träumen und ihren fliegenden Kollegen höchstens neidvoll zusehen, müssen die fliegenden Mädchen von einer Olympiateilnahme. Wahrscheinlich kann sie frühestens 2014 in Sotschi verwirklicht werden. "Mit der WM-Teilnahme sind wir immerhin einen Schritt weitergekommen", lassen sich die beiden Skispringerinnen Melanie Faisst aus Baiersbronn und Anna Häfele aus Willingen, nicht entmutigen. Obwohl kürzlich Walter Hofer, Skisprung-Chef des internationalen Skiverbandes FIS, beim Forum-Nordicum in Liberec, die erste WM-Teilnahme der fliegenden Mädchen als Initialzündung für das Frauenskispringen bezeichnete und ihnen in den letzten Jahren eine enorme Leistungssteigerung bescheinigte, die absolut vorzeigbar ist, bleibt es beim Olympiatraum. "Außer weniger Gewicht und damit verbunden einem kürzeren Anlauf, gibt es keinen Unterschied", betonen die beiden Athletinnen. "Wir absolvieren ein genauso hartes Training wie die Jungs", unterstreichen sie ihre Gleichberechtigung, mit einem verschmitzten Lächeln, weil einige Schanzenbesucher sich wundern, dass da unten Mädchen auf den Sprungski landen.

Die Damen haben gute Laune, trotz des Regens, der wie verrückt niederprasselt, lassen sie sich nicht am Training hindern. Unter den aufmerksamen Augen ihres Trainers Christian Bruder absolvieren sie ruhig ihre Sprünge auf der großen Adlerschanze. Wie die Männer, müssen auch sie ihre Ski selbst tragen. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regeln. "Wenn kein Lift da ist, gibt es schon mal männliche Fans, die mir die Ski den Hang hochtragen", freut sich die 18-jährige Melanie Faisst, die in Titisee-Neustadt geboren ist und jetzt in Baiersbronn lebt, über Kavaliere. Allerdings sind sie nur in Maßen bei den Wettkämpfen zu sehen. Die hübsche Sportlerin hat dennoch ihren Spaß und trainiert eisern, immer mit dem großen Ziel "Weltmeisterschaft" und vielleicht sogar "Olympiade" vor den Augen. "Bisher kommen nur wenige Zuschauer zu unseren Wettkämpfen, aber das wird sich spätestens nach der Weltmeisterschaft, die auch vom Fernsehen übertragen wird, ändern", gibt sich die Schwarzwälderin, die das Skiinternat in Furtwangen besucht und sich auf ihr Abitur vorbereitet, optimistisch. Bereits mit sechs Jahren absolvierte sie ihren ersten Sprung. Das erste Mal stand sie schon mit drei Jahren auf einem alpinen Ski. Zuerst versuchte sich "Melli", wie sie von ihren Freunden genannt wird, in der Kombination, bis sie sich vor vier Jahren dazu entschloss, Skispringerin zu werden. "Anfangs habe ich dreimal wöchentlich trainiert und inzwischen sind es sechs Tage die Woche", informiert sie über ihr Trainingspensum. Je nach Tagesform geht es pro Trainingseinheit mindestens sechsmal auf die Schanze. "Bin ich fit, dann reichen dreimal" erklärt sie. Ihre Lieblingsschanze ist die in Sacopane und dann natürlich Klingenthal, verrät die inzwischen versierte Skispringerin, die auf eine persönliche Bestleistung von 130 Meter hinweisen kann. In der Freizeit trifft sich die Deutsche Meisterin und Vierte bei der Junioren WM mit Freunden und dann ist auch noch Fußball angesagt. Doch dafür bleibt wenig Zeit, wie auch bei Anna Häfele aus Willingen. Sie ist seit zehn Jahren dabei. Vorher war Langlauf ihr sportliches Metier, bis ihr kleiner Bruder sie auf eine Schanze lockte. Und dann ist es passiert. "Es hat mir so gut gefallen, dass ich das Langlaufen gelassen habe", erinnert sie sich. "Angst hat sie nie gehabt, denn Angst schränkt den gesamten Sprungablauf ein", unterstreicht die Willingerin und verrät, dass sie Respekt davor hat, wenn es auf die Großschanze geht. Ihre Lieblingsschanze ist die 120er in Oberhof. "Die 90er in Hinterzarten gefällt mir aber auch ganz gut", betont sie. Trainer Christian Bruder arbeitet gerne mit den Mädchen. Sie nennen ihn Jonas. "Es läuft eigentlich alles ziemlich harmonisch ab, Zickenkrieg gibt es nicht bei uns, bei uns wird ganz normal trainiert", sagt er. Der ehemalige Springer hat die Mädchen erst seit Juni unter seine erfahrene Adlerfittiche genommen und weiß mit seinen Damen ganz gut umzugehen

 
< zurück   weiter >