Menu Content/Inhalt
Home arrow Regionales arrow Wo kranke Vögel aufgepäppelt werden
Wo kranke Vögel aufgepäppelt werden PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 2
SchlechtSehr Gut 
Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Wednesday, 22. October 2008

Löffingen - Greifvögel, wie die Adler oder die auf der Baar oft zu beobachtenden Rotmilane, sind an Anmut und Schönheit nicht zu übertreffen. Einer, der sich mit diesen Tieren vom kleinen Spatz bis zum großen Steinadler besonders gut auskennt und schon unzählige verletzte Vögel wieder gesund gepflegt hat, ist der Löffinger Falkner Franz Ruchlack. "Schon seit meinem zwölften Lebensjahr sind die Vögel meine große Leidenschaft", verrät der 54-jährige, der damals schon stolzer Besitzer eines Mäusebussards war.

 

"Ein Leben ohne meine Vögel kann ich mir nicht vorstellen", erklärt er weiter und füttert die alte Waldeule, die vor einigen Jahren mit einem gebrochenen Flügel bei ihm abgegeben wurde. Sie gehört zu den 25 Mitbewohnern seiner Voliere in Bachheim. Hier haben auch Eulen und andere Vögel eine Heimat gefunden, die ihre Besitzer einfach loswerden wollten. In Bachheim fühlen sich die Tiere wohl. Dort pflegt Ruchlack, der von Villingen-Mönchweiler nach Löffingen gezogen ist, die Vögel auch wieder gesund. Vielen von ihnen konnte er die Vogelfreiheit wieder zurückgeben. Bei einigen allerdings dauerte der Gesundungsprozess zu lange. Und die leben jetzt in seiner Voliere in Bachheim. Der älteste seiner Schützlinge ist ein Mäusebussard, dann folgt die allseits beliebte alte Schneeeule "Elfi". Sie ist der Publikumsliebling im Schwarzwaldpark, und ist sich ihrer weißen Schönheit bewusst. Der lustigste unter ihnen ist aber der 16 Jahre alte Kolkrabe "Falco". "Er hat vor nichts Respekt und hat schon Wirtschaftsminister Erwin Pfister bei einem Besuch im Schwarzwaldpark seine Kappe geklaut", schmunzelt der Löffinger Falkner.

Schon zahlreiche Stars haben seine Flugvorführungen gesehen, wie auch Anna von der Lindenstraße und andere Prominente. Dennoch hat Ruchlack bisher nicht abgehoben. Er ist eben einer, dem seine Vögel so ziemlich das Wichtigste sind. Und er hat wirklich genug mit ihnen zu tun. Über 35 Vögel nahm er allein dieses Jahr in seine Obhut. "Ich glaube all die Jahre waren es an die 500 Vögel, die ich gesund gepflegt habe", sagt der Vogelliebhaber.

Erst vor ein paar Tagen konnte er einen kleinen 25 Zentimeter großen Raufußkauz, der kleiner als eine Amsel ist, wieder in die Freiheit entlassen. Das unter Artenschutz stehende und hoch gefährdete Käuzchen war im Februar im Raum Schluchsee nachts vor ein Auto geflogen und wurde verletzt auf der Straße gefunden. Der Finder gab das Tier zur Polizei. "Die haben dann überall herumtelefoniert und sind auf meine Adresse gestoßen", freut sich Ruchlack, auf diese Weise den Tieren helfen zu können. Von Februar bis September beherbergte er das Raufußkäuzchen in Einzelhaltung, fixierte seine Flügelchen mit einem Verband und fütterte es mit Mäusen und Küken. Dann hat er dem Käuzchen den Verband abgenommen und ihn im Gehege gehalten, bis er seine Flügel wieder richtig durchziehen konnte. In einer Halle unternahm das seltene Käuzchen, das in Nadelwäldern lebt, den ersten Flugversuch. Es klappte wunderbar. "Für mich war das eine ganz besondere Freude, so ein seltenes Tier wieder gesund zu pflegen und somit für den Artenerhalt zu sorgen", strahlt Ruchlack. Ohne die Hilfe des Finders, der Polizei und des Falkners, wäre der Vogel verendet. "Wenn ein verletzter Vogel gefunden wird, kommt es auf schnelle Hilfe und viel Geduld an", informiert er. "Auf keinen Fall das Tier in den Wald reinbringen und denken, das gibt sich wieder", appelliert der Vogelkenner und weist daraufhin, dass die Vögel dort verhungern oder vom Fuchs geschnappt werden. Die Menschen kennen die Adresse von Ruchlack und bringen verletzte Vögel aus der gesamten Region von Freiburg über Villingen-Schwenningen und von Waldshut bis zum Bodensee, zu ihm.

Der gelernte Werkzeugmacher nimmt die Pflegearbeit nur allzu gerne auf sich und kümmert sich neben den Flugvorführungen von frühmorgens bis spät abends um seine Schützlinge. Es gibt zwar eine staatlich geführte Pflegestation in Mössingen bei Tübingen. "Aber wer fährt schon so weit", meint Ruchlack, der seit 16 Jahren die Besucher des Schwarzwaldparks mit seinen faszinierenden Flugvorführungen, in denen er Vögel aus Nachzuchten vorführt, in seinen Bann zieht. "Es bedarf ungefähr sechs Wochen intensivster Arbeit, dann sind die Tiere so weit, dass ich sie dem Publikum vorführen kann", klärt er auf.

Seit einiger Zeit ist seine Falknerkunst auch in der Nebensaison bei Vorführungen in Schluchsee und an verschiedenen Schulen zu sehen. "Mein Leben sind die Vögel", sagt der Falkner, der am liebsten, sofern es ihm die Zeit erlaubt, mit seinem Adler auf Jagd geht. Außerdem gibt er auch Falknerkurse. Aber noch immer nicht überwunden hat der Vogelliebhaber den Diebstahl seines Lieblingsadlers, der ihm im Schwarzwaldpark gestohlen wurde . "Ich weiß genau, wo er ist und irgendwann hole ich in mir zurück", ist er sich ganz sicher. Gerade jetzt im nebligen Herbst, kommt es öfters vor, dass einmal ein Greifvogel oder andere Vögel in ein Auto fliegen. "Ich bin jederzeit bereit, die verletzten Vögel aufzunehmen.

Erreichbar ist der Falkner unter den Telefonnummern 0172/9985485 oder 07654/8497.

 
< zurück   weiter >