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Gestatten: Das ist "Anne Frank II." PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Tuesday, 17. June 2008

 Furtwangen - "Wer war Anne Frank?" Das ist eine Frage, mit der sich die fünfte Klasse der Anne-Frank-Förderschule in Furtwangen eingehend beschäftigte. Neben der Auseinandersetzung mit dem tragischen Schicksal des jüdischen Mädchens schufen die drei Mädchen und zwei Jungs der Förderklasse ein beeindruckendes Kunstobjekt.

 

Unter Anleitung des Kunstlehrers und freischaffenden Künstlers Joachim Walz entstand "Anne Frank II" als lebensgroße Gipsfigur. Anne sitzt an einem Tisch und schreibt ihre Gedanken mit einem Füllfederhalter in ihr Tagebuch. "Vielleicht könnten wir in das Tagebuch noch ein rotes Herzchen kleben", schlägt Juana, eine der fünf Schüler, ihrem Kunstlehrer vor.

Im Rathaus von Breisach hat "Anne Frank I" ihren Platz gefunden. Sie wurde von Schülern der Albert-Schule- Förderschule in Ihringen, wo Walz als Kunstlehrer tätig ist, geschaffen. "Als ich diese Figur gesehen habe, dachte ich, das könnten wir doch auch an unserer Schule realisieren, zumal unsere Schule den Namen Anne Frank trägt", erklärt Rektor Michael Lehmann, der sich über das Engagement der Kinder sehr freut. Die Begeisterung der Kinder war groß und mit Ausdauer brachten sie geduldig Gipsbinde für Gipsbinde an. "Über 250 Gipsbinden, die uns ein Arzt gespendet hat, haben wir verarbeitet", verrät Walz. Als erstes mussten Körper und Körperteile aus Styropor ausgesägt werden. "BH und Strumpfhose wurden mit Füllmaterial ausgestopft", erklärt ein Schüler die Arbeitsweise.

Dann kamen Gips und Ton ins Spiel, bevor die Figur auf den Stuhl gesetzt wurde und die Gipsbinden angebracht wurden. Dabei war Fingerspitzengefühl gefordert. Der Gipsabdruck des Gesichtes von Schülerin Eva ist nun Annes Gesicht, das mit Gipsbinden ausgeformt und fein modelliert wurde. Tisch, Stuhl und das gesamte Material von der Perücke bis zum Füllfederhalter haben Familienangehörige oder anderen Personen gespendet. Zum Schluss erfolgte dann der Anstrich in weiß.

Ganz in weiß gehalten soll das Kunstwerk daran erinnern, wie stark Anne war, die vor den Nazis versteckt, bei einer niederländischen Familie Unterschlupf fand und kurz vor Kriegsende verraten wurde. Sie wurde in ein KZ gesteckt, wo sie nur ein paar Tage vor Kriegsende starb. Ihre Erinnerungen schrieb sie in ein Tagebuch, das ihr Vater als einziger Überlebender der Familie in 55 Sprachen übersetzte. "Die Farbe weiß ist die Trauerfarbe der Buddhisten und bedeutet Traurigkeit", sagt Joachim Walz über das weiße Kunstwerk, über das auch der Zentralrat der Juden informiert wurde, der den Kindern einen Dankesbrief schicken möchte.

"Wir waren manchmal schon traurig, wie schlimm es Anne ging", erinnern sich die Schüler an die Aufzeichnungen von Anne in ihrem Tagebuch. Ausgestellt wird Anne Frank II in der Volksbank in Furtwangen. Später wird sie ihren festen Platz an einem gut sichtbaren Fenster der Anne-Frank-Schule finden, wo sie an das Schicksal vieler Menschen, die in der Nazizeit unschuldig zu Tode kamen, erinnern soll.

 
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