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Lenzkirch - "Die Firma Testo ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es richtig macht", unterstrich Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus, der sich von dem Schwarzwälder Messgeräte-Marktführer bei einem Firmenbesuch am Wochenende beeindruckt zeigte und sich gleichzeitig ein Bild über die Sorgen und Nöte mittelständischer Unternehmen machen konnte.
Stratthaus wurde vom Wirtschaftsrat der CDU unter der Leitung von Klaus Schüle zum dritten Regionalforum Südbaden eingeladen, wo er 150 Mittelständlern aus dem Raum Villingen/Donaueschingen, Hochrhein, Lörrach/Mülheim und Freiburg/Emmendingen Rede und Antwort stand und zum Thema "Finanzpolitik als Grundstein für eine gute Mittelstandspolitik" referierte. Außerdem überzeugte er sich bei einem Betriebsrundgang über den hohen Qualitätsstandard der Lenzkircher Vorzeigefirma, die als Gastgeber fungierte und trug sich in das goldene Buch des Schwarzwaldortes ein.
Testo-Geschäftsführer Burkhard Knospe erklärte zuvor, dass sein Betrieb momentan händeringend neue Mitarbeiter suche. Stratthaus, der seit elf Jahren den baden-württembergischen Landeshaushalt mit großem Erfolg verwaltet, war es gelungen, keine Neuverschuldung zu hinterlassen. "Eine gesunde solide Finanzpolitik ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik", untermauerte er. "Man kann in schlechten Situationen Schulden machen, aber in guten Zeiten müssen sie zurückgezahlt werden", begründete er seine Erfolgsdevise. "In jedem Augenblick steht jeder mit jedem in Konkurrenz", sagte er mit Blick auf die Globalisierung. "Man kann sich gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland nicht abschotten", erklärte er weiter. Wichtige Grundlagen für den wirtschaftlichen Erfolg seien allerdings Werte wie beispielsweise Fleiß und Familie, die teilweise in der heutigen Gesellschaft nichts mehr wert sind. "Man hat den Leistungsdruck definiert", resümierte er. Die derzeitige Arbeitsmarktpolitik sieht er als große Schwäche, wobei er die Bürokratie bemängelte. "Die Sicherheit soll ein Sprungbrett sein, aber keine Hängematte", kritisierte der Minister. "Zur Zeit sind die Voraussetzung zwar gut, aber es muss versucht werden, dass alles auch weiterhin so funktioniert", appellierte er. Dabei unterstrich er die Wichtigkeit von Bildung, Forschung und Entwicklung, die weiter vorangetrieben werden müssen. Zur derzeitigen Bildungsdiskussion meinte Stratthaus: "Nicht nur fragen, wie viel Geld für Bildung, sondern wie viel Bildung für's Geld". Als wünschenswert sieht Stratthaus die Rente mit 67, ein Jahr früher zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass keine Neuverschuldung aufkommt. Allerdings kann dafür der Finanzminister nicht mehr lange sorgen, nachdem ihn Ministerpräsident Oettinger in absehbarer Zeit in den Ruhestand verabschiedet, was der aus Heidelberg stammende Stratthaus inzwischen mit Gelassenheit sieht. "Ich habe so viele Hobbys, beispielsweise höre ich so gerne klassische Musik und bin sehr engagiert bei den Schwetzinger Musiktagen, wo ich aktiv mitarbeite, freut er sich auf die freie Zeit. "Außerdem lese ich wie ein Wahnsinniger Bücher und ich liebe die Berge, in denen ich mich nur zu gerne aufhalte", verriet er im SÜDKURIER-Gespräch. Und ganz außen vor bleiben wird der scheidende Minister auf keinen Fall. "Ich bin in einigen Aufsichtsräten und ich werde mich ganz gezielt um das Thema Banken kümmern, wo es sehr viel zu tun gibt", wird er schon wieder geschäftlich.
Zum Abschied schenkte Testo-Chef Burkhard Knospe dem Minister, der auch im Aufsichtsrat der Rothaus Brauerei sitzt, einen Lenzkircher Bierschnaps, mit dem Rat, das Schnäpschen bei einer Aufsichtsratsitzung zu kosten.
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