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Wo Reha-Kliniken der Schuh drückt PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Friday, 4. November 2005

Schluchsee - Von der Gesundheitsreform und den damit verbundenen Einsparungen ist auch die Suchtprävention in Kliniken betroffen. Eine dieser Kliniken, die für die Struktur in Schluchsee und im Hochschwarzwald von größerem Gewicht sind, ist die Klinik "Glöcklehof" in Schluchsee, wo sich in diesem Jahr bei einem Bettenpotenzial von 145 Betten und 184 Therapieplätzen ein Belegungsrückgang von zirka 60 Prozent abzeichnet. Diesem Problem, das sich letztendlich auch auf die Beschäftigungszahl der 65 Arbeitnehmer auswirken könnte, hat sich jetzt der Hochschwarzwälder CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Schüle angenommen.

renner-netAuf Schüles Initiative besuchte der baden-württembergische Sozialminister Andreas Renner die Klinik. Dabei vermittelte sich Renner bei einer Führung ein Bild über die Lage der Klinik, ihre Werkstätten und die angebotenen Therapiemöglichkeiten. "Ich lege großen Wert darauf, solche Einrichtungen im Land selbst kennen zulernen, weil man dann weiß, über was geredet wird", unterstrich Renner im SÜDKURIER-Gespräch. Der Sozialminister machte allerdings deutlich, dass sein Ministerium keinen direkten Einfluss auf die Zuweisung von Patienten habe. Er versprach aber sich bei den entsprechenden Stellen für die Rehaklinik Glöcklehof einzusetzen.
Das Gewicht der Klinik für die Infrastruktur von Schluchsee als drittgrößter Arbeitgeber in seiner Gemeinde unterstrich Bürgermeister Manfred Merstetter. Über 15 Millionen Euro investierte die Betreiberfamilie Rothmeier vor 25 Jahren in den Umbau der Klinik, die vorher als Hotel genutzt wurde. Die Klinik, die eng mit dem deutschen Rentenversicherungsverbund DRV Baden-Württemberg (früher LVA) zusammenarbeitet und von dort den größten Teil ihrer Patienten zugewiesen bekommt, behandelt Menschen mit Alkohol-, Medikamentenabhängigkeit sowie Polytoxikomanie (Mehrfachabhängigkeit mit Alkohol als Hauptsuchtmittel). Behandelt wird nach einem Konzept auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse der Wissenschaft, die empirischen Studien und den Rückmeldungen der Patienten angepasst wurde. "Kein einziger Faktor hat so großen Einfluss auf das Trinkverhalten wie die Arbeitslosigkeit, weshalb es unser größtes Bestreben ist, die Menschen wieder in den Arbeitsprozess zu bringen", unterstrich Verwaltungsleiter Reginbert Rothmeier das Schwerpunktbehandlungsziel seiner Klinik. Dabei spielt der Faktor Zeit eine große Rolle, weshalb die Glöcklehofpatienten mindestens 16 Wochen in Schluchsee bleiben müssen. "Bewilligungen der Kostenträger sollten deshalb an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden", appellierte er an die zuständigen Kassen.
Hubert Seiter, Direktor der DRV Ba-Wü, sieht die Problematik vor allem in den in jüngster Zeit verstärkt angewandten größeren Anteil von ambulanten Therapien. "In Stadtgebieten sind die natürlich leichter anzubieten als im ländlichen Raum, wo die Anfahrtswege doch recht weit sind", erklärte er. Einig war er sich mit Renner darin, eine Möglichkeit in der Präventionsarbeit mit Jugendlichen zu sehen. "Aus Mangel an Zukunftsperspektiven, wie Arbeitslosigkeit in der Familie und Mangel an Ausbildungsplätzen, greifen immer mehr Jugendliche zu Drogen und Alkohol", betonte Renner und forderte einzugreifen bevor aus Alkoholmissbrauch Abhängigkeit werde. Bei dem Gedankenaustausch tauchte die Überlegung auf, in Firmen auffällig gewordenen Azubis in eine Präventions-Rehamaßnahme zu geben. Wobei Details über die Dauer solcher Maßnahmen und wer die Kosten dafür trägt, nicht geklärt werden konnten.

 
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