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Ein Zellbiologe will in den Landtag PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Wednesday, 13. April 2011

Hochschwarzwald - Der Landtagskandidat der Linken für den Wahlkreis 46 Freiburg-Ost Hochschwarzwald, Armin Wolff, ist ein echter Freiburger. "Aber ich bin dennoch kein wahres Bobbele", unterstreicht der 42-Jährige. "Um ein waschechtes Bobbele zu sein, muss man nämlich im Marienhospital geboren sein und nicht wie ich, in der Freiburger Uni-Klinik", klärt der studierte und promovierte Zellbiologe genauer über seinen badischen Geburtsort auf.

Die Kindheit des Linken war nicht so einfach. Sein Vater, ein geborener Schlesier, kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Freiburg und arbeitete als Automechaniker. Er starb sehr früh. "Ich war damals gerade mal fünf Jahre alt und ging noch in den Kindergarten", erinnert er sich noch. Seine Mutter kam aus dem Freiburg nahen Norsingen. Sie musste ihn alleine aufziehen und für ihn sorgen. Den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn, verdiente sie als Einzelhandelsverkäuferin und später ging sie noch zusätzlich putzen. "Zuerst besuchte ich die Grund- und Hauptschule und dann plädierten meine Lehrer dafür, mich auf das Gymnasium zu schicken, was ich natürlich auch unbedingt wollte", betont der leidenschaftliche Biologe, der sich schon als kleiner Junge mehr für die Forschung als die Natur interessierte.

"Der Klimawechsel zeichnete sich schon damals ab und heute ist er da", weist er auf die ständigen Diskussionen über dieses aktuelle Thema hin. Wolff besuchte das Freiburger Rotteck Gymnasium und absolvierte dort auch sein Abitur.

Ein Sohn, der auf das Gymnasium ging, war für seine Mutter eine große finanzielle Herausforderung. Die Lösung hieß "viel Arbeiten". Klar, dass dann niemand da war. Wenn er von der Schule kam und der Magen knurrte, hat er eben selbst etwas gekocht und oft ging er auch im Haushalt seiner Mutter zur Hand. Es war eine Zeit der Entbehrungen, aber auch ein Lernprozess. Dass er ein wenig zum Einzelgängertum neigt, führt er auf die damalige Situation zurück. Der Vorteil war, dass er in dieser Zeit das Kochen lernte. Noch heute gehört Kochen zu seinen großen Leidenschaften. Allerdings sind die Gerichte abwechslungsreicher und sicherlich schmackhafter als damals. Am liebsten kreiert er asiatische Gerichte auf dem Wok. Ein Hit bei seinen Freunden ist seine berühmt-berüchtigte Lasagne.

Der Biologe mit Ambitionen auf einen Platz im Landtag weiß auch, was es heißt, von einem auf den nächsten Tag arbeitslos zu sein. Genau das ist ihm passiert. "Ich habe es am eigenen Leibe gespürt, wie es ist, mit Hartz IV auf Augenhöhe zu sein", erinnert er sich an das komische Gefühl "eine Superausbildung zu besitzen und dennoch keine Arbeit zu finden". In dieser Zeit hat er viel nachgedacht, sagt er. Das hat ihn, glaubt er, ziemlich stark geprägt und in ihm auch das Interesse an der linken Politik geweckt. Überhaupt sieht er in einer guten Bildungspolitik den Grundstein für weniger Arbeitslose. "Die Schule kann zwar nicht das Elternhaus ersetzen, aber die Lehrer müssen besser ausgebildet werden", was für ihn heißt, dass sie in Psychologie und Sozialarbeit fundiertes Wissen erhalten, um gleich an Ort und Stelle reagieren zu können. "Außerdem müssen die Klassen viel kleiner werden, als sie heute sind", fordert er.

Für Wolffs politische Einstellung waren vor allem die Jahre von 2000 bis 2004 von eindrücklicher politischer Prägung. "Beispielsweise 2004, als ich zu einem Treffen der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit WASG, damals noch ein Verein, der sich zur Partei entwickelte, ging", erinnert er sich. Es kamen mehrere Faktoren zusammen, wie der Beginn des Afghanistankriegs oder die Senkung des Spitzensteuersatzes statt der Einführung des Mindestlohns sowie die Diskussion um die Einführung von Hartz IV, um nur einige Beispiele zu nennen.

Das Wort "Hartz IV" belastet ihn noch heute. Schnell denkt er an seine damalige Arbeitslosigkeit, die zum Glück nach intensiver Suche nach zehn Monaten ein Ende fand und er wieder seine erfüllende Arbeit als Zellbiologe aufnehmen konnte. Schon als Kind faszinierte ihn die Biologie. Ausschlaggebend für sein Studium war aber sein Biolehrer am Gymnasium, der ihn früh an interessante Experimente heranführte und ihn dementsprechend förderte. "Es war für mich bald klar, dass ich einmal Biologie studieren und auch promovieren würde", führt Wolff an. "Damals habe ich gedacht, als Biologe ist man immer beschäftigt."

Umso schlimmer war es für den gut ausgebildeten Biologen, miterleben zu müssen, wie brutal der Arbeitsmarkt ist und wie entwürdigend Arbeitslosigkeit und die damit verbundene oft vergebliche Suche nach einem neuen Jobs sein kann. "Es war wahnsinnig schlimm, als junger, studierter und gut ausgebildeter Mensch, so auf der Straße zu sitzen", erinnert sich der Zellbiologe, der heute als Produktions-Manager bei der Firma CellGenix Technologie Transfer GmbH in Freiburg arbeitet.

"Es hört sich einfach an auf Stellensuche zu sein, aber es ist nicht einfach, weder für gut ausgebildete junge Menschen noch für ältere Arbeitssuchende", erklärt er die Arbeitsmarktsituation, die sich nicht verändert hat. Jedenfalls ist er froh, wieder einen Arbeitsplatz zu besitzen.

Der Job in dem gut gehenden Betrieb macht ihm großen Spaß. "Allerdings bin ich ein Schreibtischtäter geworden", bedauert er die Tatsache, dass die meiste wissenschaftliche Arbeit in dem Freiburger Biotec Betrieb nur noch am Computer stattfindet. "Es ist einfach etwas ganz anderes in einem Entwicklungslabor mit Reagenzgläsern zu arbeiten und intensiv zu forschen, als am Computer zu sitzen", unterstreicht der promovierte Zellbiologe. Dabei gesteht er, dass man beim Forschen auch manchmal falsche Fährten verfolgt. Seine Doktorarbeit hatte das Thema "Zustand und Funktion des Tumorsuppressionsproteins P53 in Neuroplastomzellen". Dabei ging es um die Krebserkennung bei sehr jungen Kindern. Fast fünf Jahre hat er daran gearbeitet. Die Dissertation hat der Zellbiologe mit politischen Ambitionen dann ganz gut veröffentlichen können. Nach dem Studium fand er auch schnell seine erste Arbeitsstelle bei einem Freiburger Zellforschungsbetrieb. "Somit waren die Weichen gestellt und es war eigentlich klar, dass ich hier in Freiburg bleiben werde", betont der zweitjüngste Landtagskandidat im Hochschwarzwald, seine Liebe zur Breisgaustadt.

Die Parteiarbeit gefällt, dem passionierten Kinogänger, ganz gut, obwohl er fast täglich mit einem riesigen Fragenkatalog bombardiert wird. Die Fragen sind teilweise so vielschichtig oder fachspezifisch, dass er gar nicht alle beantworten kann, was er aber nicht für weiter schlimm hält. "Man kann nicht alles wissen und dass sage ich dann auch bei den Wahlveranstaltungen", gibt er unumwunden zu. Über seine politische Vergangenheit verrät er, dass er auch schon mal SPD oder die Grünen gewählt hat, weil er der Meinung war, dass Kohl einfach weg musste.

Heute findet er die Politik der Linken gut und steht auch voll dahinter. Sie arbeiten laut Wolff alle super zusammen und manchmal finden auch linke Politiker aus Berlin den Weg in den Hochschwarzwald, wie Sarah Wagenknecht oder Oskar Lafontaine, den er nach unserem Gespräch auf den Rathausplatz in Freiburg zu einer Kundgebung begleitet, bei der auch Wolff reden wird. "Die Argumentationen der Politiker sind schon beeindruckend", betont Wolff, der schon ein wenig mit einem Landtagsmandat liebäugelt und dafür in unzähligen Stunden selbst 175 Plakate geklebt hat.

Zur Person

Privat: Armin Wolff ist am 5. Juli 1968 in Freiburg geboren.

Er ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Wolff ist promovierter Zellbiologe. Seine Diplom- und Doktorarbeit machte er in der Krebs-Grundlagenforschung. Von 2001 bis 2004 Arbeit in Forschung und Entwicklung als Entwicklungsleiter. Danach Herstellungsleiter einer kleineren Freiburger Biotech-Firma. Nach dem Studium absolvierte er den Wehrdienst. Liebend gerne schaut der ambitionierte Kinogänger sich gute Science Fiction Filme oder gute Spielfilme an.

Politik: Armin Wolff ist Gründungsmitglied der Partei WASG und Vorstandsmitglied im Kreisverband Freiburg, bis zur Fusion mit der Linken.

Engagement: Seit 2003 Mitglied in der Gewerkschaft. Gründung eines Betriebsrates und Aktivität als Betriebsratsvorsitzender. (ker)

 
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