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Förster mit Herz für Politik und Heimat PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Wednesday, 13. April 2011

Hochschwarzwald - "Rot" ist die Farbe der SPD. "Rot" dominiert auch, wenn der Freiburger SPD-Landtagsabgeordnete Walter Krögner die leckeren Früchte auf seiner Bio-Himbeerplantage erntet. Auch das Hemd, das er gerade trägt, ist rot. "Das hat aber nichts mit meinem Wahlkampf zu tun", klärt der 47-Jährige auf, obwohl seine Wählerinitiative auf ihrer Homepage mit dem Slogan "Roter Förster für den schwarzen Wald" auf ihn aufmerksam macht.

 

Seine Vorliebe für kräftige Farben wird auch in seinem rot, blau und grün gehaltenen Werbeprospekt deutlich, den ein bekannter Freiburger Künstler für ihn kreiert hat. "Heimat, Vielfalt und Solidarität" sind die Schlagwörter auf dem Wahlprospekt des studierten Forstwirts, der 1963 im österreichischen Salzburg geboren wurde, worum ihn so mancher beneidet. Nach der Trennung seiner Eltern zog er mit seiner Mutter, einer gelernten Buchbinderin, in ihre norddeutsche Heimat Lübeck, um eine unbeschwerte Kindheit zu verbringen. "Meine Mutter arbeitete dort als Arbeiterin in einer Konfektionsfabrik und wir hatten nicht so viel Geld", erinnert er sich. Zum Glück gab es noch die Großmutter, sie war Kriegerwitwe und hat ihn erzogen. Was damals nichts Ungewöhnliches war. "Wir lebten, wie so viele, in einer Genossenschaftswohnung und Politik war kein Thema", geht die Erinnerung in seine Kindheit zurück. "In Lübeck habe ich dann auch die Schule besucht und mein Abitur gemacht, obwohl das in meiner Umgebung nicht unbedingt normal war", erinnert er sich weiter.

In dieser Zeit entwickelte sich sein sozialdemokratisches Verständnis. "Ich habe schon damals die Natur und vor allen Dingen die Ostsee sehr geliebt und manchmal vermisse ich das Meer schon ein wenig, verrät der SPD-Politiker, der den Wahlkreis 46 Freiburg Ost-Hochschwarzwald vertritt. Doch jetzt ist Freiburg für ihn zu einer richtigen Heimat geworden, nachdem seine Mutter auch hierher gezogen ist. Die Arbeit als Stadtrat in der Breisgaustadt und vor allem Krögners Einsatz zum Erhalt der städtischen Wohnungen und der damit verbundene Bürgerentscheid, haben ihm die Menschen näher gebracht. Seit 1999 gehört Krögner, der im Schwabentor sein Büro eingerichtet hat und von seinem Schreibtisch aus einen wunderbaren Blick auf die Altstadt und das Münster genießen kann, dem Freiburger Stadtrat an. Berührungsängste kennt er keine. "Ich lebe seit 1992 in Baden und bin jetzt in der dritten Periode Stadtrat in Freiburg und da lernt man sehr gut, auf die Menschen zuzugehen", freut er sich über seine sozialen Kontakte. "Leute treffen und kennen, das macht Heimat aus", erklärt der bekennende Freiburger sein Gefühl, ein Badener zu sein. "Hier fühle ich mich wohl, hier will ich bleiben", lässt er in reinstem Norddeutsch wissen.

Die Begegnung mit den Menschen ist ihm wichtig. Krögner mag die Menschen seines Wahlbezirks, hört sich gerne ihre Probleme an und setzt sich für sie ein. Sein großes Engagement gehört der Wohnungspolitik. Das zeigt auch seine Mitgliedschaft in der Bürgerinitiative "Wohnen ist Menschenrecht". Eine große Liebe hegt er zur Natur, die er gerne erwandert. Bis vor kurzem hat ihn dabei sein Lebensgefährte begleitet. Momentan lebt er wieder alleine. "Als Politiker, besonders im Wahlkampf ist man ständig unterwegs und hat wenig Zeit für andere Dinge und für das Privatleben", bedauert er die Trennung von seinem Partner. Die Verbundenheit zur Natur veranlasste den Wahlfreiburger Forstwirtschaft zu studieren. Das Studium hat ihn dann vom Norden wieder in den Süden geführt. Genauer gesagt, ins bayerische Weihenstephan, wo er sein Studium an der Fachhochschule abschloss. Noch heute besitzt er eine Affinität für den bayerischen Dialekt, den er gerne hört. Und natürlich liebt er die charmante österreichische Sprache, die seine Kindheitserinnerungen weckt. Nach Österreich kommt der überzeugte Wahlbadener aber nur noch selten.

Krögner macht nicht nur in der Politik sein Ding. Seit einigen Jahren betreibt er mit einem Freund, der aus Neuseeland kommt, in der Nähe von Freiburg eine Demeterplantage, auf der sie erfolgreich Himbeeren züchten. Inzwischen sind die Himbeeren, die unter dem Firmennamen "Freudenbeeren" auf dem Markt verkauft werden, ziemlich begehrt. Zuvor haben es die beiden überzeugten Biobauern mit biologischen Christbäumen versucht. Schnell bemerkten sie aber, dass hierfür kein Bedarf bestand. Dennoch, um die Weihnachtszeit steht Krögner wieder auf dem Marktplatz, um seine Christbäume zu verkaufen. Allerdings ganz normale, keine Biobäume. "Der Verkauf der Weihnachtsbäume macht mir einfach Spaß, genauso wie das Handeln mit den Kunden", sagt er verschmitzt. Schließlich weiß er aus seiner Forstwirtschaftsstudiumszeit und als ehemaliger Betreiber einer Baumschule genau, wie eine gesunde Tanne auszusehen hat. Genauso, was Qualitäts- und Umweltmanagement im Forstbereich. Forstbaumschule ausmacht. Wenn es sein politisches Mandat erlaubt, schnürt der Naturliebhaber seine Wanderschuhe. "Beim Wandern finde ich meine Ruhe und ich bin abseits von aller Hektik", sagt er. Nachdem er 2007 das Landtagsmandat vom seinem Vorgänger Gustav Adolf Haas übernommen hat, erkundete er beim Wahlkreiswandern die Menschen und die Sehenswürdigkeiten in seinem Wahlkreis. "Ich habe die Touren so gewählt, dass ich zwei Orte erwanderte und Sehenswürdigkeiten sowohl in der Natur, in Betrieben, im Gewerbe und im Kulturbereich, besichtigen konnte", informiert er über seine Anfangszeiten als Landtagsabgeordneter. Auf diese Weise lernte er seinen Wahlkreis bestens kennen.

Beeindruckt ist Krögner noch von der letzten Fasnet, die er zum großen Teil in Bonndorf und Ewattingen beobachtete und mitfeierte. "Hier geht es noch so urig zu, ganz anders als in der Stadt", meint er. Die Natur spielt bei Krögner eine große Rolle, weshalb er sich einen Schrebergarten zulegte. "Hier kann ich alles vergessen und wenn ich meine Bäume stutze, Blumen setze oder Rasen mähe, ist die Welt in Ordnung", verdeutlicht er seine Vorliebe für Gartenarbeit. Sein Lieblingsbaum ist die Marille. Eine Marille steht natürlich in seinem Garten und wird von ihm liebevoll betreut. "Es geht halt nichts über einen Marillenknödel", verrät er seine Schwäche für Süßes. Hier und da mal ein Stück Creme- oder Sahnetorte, sorgen für mehr als das politische Gewicht. "Da kommt die Fastenzeit gerade recht, um ein wenig abzuspecken und das "Projekt 87 Kilogramm" anzusteuern, meint der Kuchenfreund etwas verschmitzt.

Entspannung von Plenarsälen und anstrengenden Versammlungen, findet der engagierte Kommunal- und Landtagspolitiker auch bei Musik. Manchmal führt ihn sein Weg ins Freiburger E-Werk. Besonders dann, wenn die Gruppe "Die Schönen der Nacht" auf der Bühne steht und mit ihren frechen Liedern das Publikum begeistert. Er mag gerne alte Lieder und ist ein großer Ernst Albers-Fan. Krögner ist auch einen Hundfreund. Aber das ist bei seinem Job unmöglich. Deshalb besucht er schon mal hie und da die Ausstellung von Kleintierzüchtern. Dabei haben es ihm die Hasen besonders angetan. "Hasen sind einfach süß", erklärt er. Zwei- bis dreimal in der Woche fährt der Freiburger Landtagspolitiker mit dem Zug an seinen Arbeitsplatz in die Landeshauptstadt. Den Rest der Zeit geht es aufs Land hinaus, um herauszufinden, wo die Wähler der Schuh drückt.

Zur Person

Privat: Walter Krögner ist 47 Jahre alt. Er ist 1963 in Salzburg/Österreich geboren und zog nach der Scheidung seiner Eltern im Alter von zwei Jahren nach Lübeck, wo er aufwuchs und sein Abitur ablegte.

Er studierte Forstwissenschaft an der Fachhochschule Weihenstephan und zog 1992 nach Südbaden. Er arbeitete am Institut für wissenschaftliche Forstbenutzung und forstliche Arbeitswissenschaften der Freiburger Uni, arbeitete an einem Projekt mit für das Forstamt in Siegen. Betrieb eine Baumschule in Burg am Wald bis zur Schließung 2006. Heute betreibt er mit einem Freund zusammen die Demeter Himbeerenplantage „Freudenbeeren“.

Engagements: Als Student engagierte er sich zum ersten Mal bei der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft. Außerdem tritt er für die Gleichstellung Homosexueller, aber auch für die Akzeptanz der Vielfalt der Lebensstile ein. Mitglied der Initiative „Wohnen ist Menschenrecht“.

Politik: Walter Grögner war von 1998 bis 2009 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Littenweiler-Ebnet und ist seit 2005 Vorsitzender des Vorstands des SPD-Kreisverbands Freiburg. 1999 Stadtrat in Freiburg. Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg seit 6. November 2009. Seine Themen sind: Wohnungspolitik, Agrar- und Forstpolitik. Außerdem ist er entwicklungspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. (ker)

 

 
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