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Ein Schlossherr strebt in den Landtag PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Wednesday, 2. March 2011

Hochschwarzwald - Nikolaus von Gayling-Westphal geht als FDP-Kandidat für den Wahlkreis 46 Freiburg Ost-Hochschwarzwald in den Landtagswahlkampf 2011.
"Sie müssen ein Stück nach Ebnet reinfahren, dann sehen sie mein Haus gleich, es liegt hinter einer dicken Mauer, die irgendwo einen großen Eingang hat, durch den sie durchfahren müssen", beschreibt der FDP-Landtagskandidat Nikolaus Gayling-Westphal am Telefon den Weg zu ihm.

 

Wenn man dort ankommt, steht man vor einem wundeschönen, richtigen Schloss. Und darin lebt er, der badische Schlossherr Nikolaus von Gayling-Westphal, der sich entschlossen hat, für die FDP in den Landtag nach Stuttgart zu ziehen. Freundlich wird der Gast vom SÜDKURIER von Sohn Claudius empfangen und in das Kaminzimmer gebeten. Der Hausherr wartet schon, umgeben von Ahnenporträts, macht er ein Feuer im Kamin und nimmt sich die Zeit, trotz dicht gedrängter Termine, von sich zu erzählen. Gayling-Westphals Leitspruch ist: "Der Seele Freude liegt im Tun und nicht darauf warten, bis Andere etwas tun." Der 68-jährige Schlossbesitzer ist ein Multifunktionstalent und auf den verschiedensten Ebenen erfolgreich in seinem Tun tätig.

Dass der Schlossbesitzer, Land- und Forstwirt nicht nur von Umwelt, Wald und Landwirtschaft redet, wird schnell sichtbar. Er stellt einen Korb voll hart gekochter Eier auf den Tisch und betont, bei einem dazu gereichten Espresso, dass die Eier Produkte seiner freilaufenden Hühner sind. Überhaupt habe er eine kleine Landwirtschaft, erklärt er und schaut dabei über seine Lesebrille. Ja und dann sei er auch noch Windkraftanhänger und wegen eines zur Verfügung gestellten Grundstücks, sogar auch ein bisschen Windkraftradbesitzer, worüber seine Kollegen aus der Grünen Freiburger Stadtratsfraktion ziemlich verwundert gestaunt hätten. "Wo das doch deren Revier ist", lacht er schelmisch. Ach ja und da gibt es noch den Bach und die Wiesen mit dem Wasserkraftwerk, das von den Gebrüdern Kaiser auf seinem Grundstück gebaut wurde und umweltfreundlichen Strom produziert sowie eine kleine Schnapsbrennerei, wo unter seiner erfahrenen Brennkunst besonders edle Tropfen destilliert werden. Und schließlich ist der Vater von sieben erwachsenen Kindern auch einer der größten Waldbesitzer im Land, der sein Geschäft versteht und seinen Besitz erfolgreich verwaltet.

Von Gayling-Westphal, hat aber noch eine ganz andere Seite und das ist die soziale und künstlerische. Doch bevor er davon erzählt, reicht der um sein Wohlwollen besorgte Sohn als Mittagessenersatz ein Käsebrot. Schließlich wartet gleich der nächste wichtige Termin und das ist eine Wahlveranstaltung in Kirchzarten. "Ich mag an meinem Vater die Großmütig- und Großzügigkeit, dass er für viele Dinge ein offenes Ohr hat und dass er Fehler verzeihen kann", verrät Claudius, der mit seinem Vater auf dem Schloss lebt. Claudius achtet darauf, dass der Schlossherr zwischen seinen zahlreichen Wahlkampfterminen das Essen und Trinken nicht vergisst. Die anderen Kinder sind alle flügge, aber dennoch sind Kinder für von Gayling ein Thema. "Ich habe zwei Schulen bauen lassen, bin für den Bau eines Walldorfkindergartens in Vorlage getreten und schließlich habe ich noch eine kleine Kirche gebaut", gibt er nur einen kleinen Bruchteil über sein großes soziales Engagement preis. Das Soziale hat er von seiner Großmutter übernommen. "Sie war eine beliebte und geachtete Frau hier, hat vielen Menschen geholfen und einiges bewegt", erinnert er sich mit Stolz in seiner Stimme. "Das Dienen hat in meiner Familie Tradition und deswegen war es für mich ganz klar, dass ich das Angebot meiner Parteifreunde als Kandidat in den Wahlkampf zu gehen, angenommen habe", unterstreicht der heutige Ebneter Schlossherr.

Geboren wurde Freiherr von Gayling-Westphal in Göttingen, weil seine Eltern als Naturwissenschaftler dort studiert haben, der Vater Chemie und die Mutter Physik. Nach dem Studium zog es die Eltern wieder nach Freiburg, aber nicht auf das Schloss. "Meine Eltern waren Freidenker und hatten lieber Distanz zu ihrer Herkunft", erklärt er. Der weit über Ebnet hinaus bekannte Schlossherr und Musikliebhaber erinnert sich gerne an seine unbeschwerte Jugendzeit. "Das Schloss war meine Fluchtburg, wenn ich Knatsch mit meinen Eltern hatte", resümiert er und erinnert sich daran, dass Großmutter immer sagte: "Du wirst das einmal erben, aber studiere etwas Ordentliches." Es war für ihn schon immer klar, dass er einmal das Schloss besitzen wird. "Ich genoss es als kleiner Junge auf dem Schloss herumzutollen und in den Wald zu gehen, wo das Holz geschleppt wurde", betont er.

Aber es gab auch Pflichten. Schon im zarten Knabenalter erlernte er das Geigenspielen, geduldig unterrichtet von der Musiklehrerin, die auch Geigenlehrerin von Ann Sophie Muter war. "Eigentlich bin ich an einer Geigerprofikarriere vorbeigeschrammt", erklärt der 26. Herr zu Ebnet lachend. Ein weiteres Steckenpferd des Musikliebhabers ist die Kultur, zu deren Förderung er den Ebneter Kultursommer ausrichtet. In adliger Umgebung hat sich der "Kultursommer" zu einem Treffpunkt für Freunde der schönen Künste entwickelt. "Ich stelle meinen Besitz gerne den Künstlern und dem Publikum zur Verfügung, aber es ist nicht mein Ziel, die Öffentlichkeit in meine Privaträume zu lassen", sagt von Gayling-Westphal. Man könnte eher sagen, ich betreibe die freudvolle Belebung meines Eigentums", lässt er wissen. Erstmals wurde der Ebneter Kultursommer 2005 ausgerufen. Hierfür stellt er die große Reithalle und die Zehntscheune auf dem Schlossgelände für Konzerte, Ausstellungen, Theater- und Tanzvorführungen zur Verfügung.

Seine soziale Ader beweist auch das "Haus der Musik" für das er den Baugrund gab, um dem Freiburger Bachchor eine Heimat und einen Probesaal zu geben. Groß ist der Publikumsandrang auch auf dem Ebneter Weihnachtsmarkt, der ebenfalls auf seinem Gelände eine Heimat gefunden hat und auf dem nur Kunsthandwerk verkauft werden darf. Die Konditionen waren von Anfang an großzügig, transparent, unkompliziert und liberal. "Es gibt keine Vorgaben - lediglich verlange ich ein Bemühen um Qualität", verdeutlicht er seine Freude an der Kultur im Schloss.

Eigentlich könnte der Besitzer von 1400 Hektar Wald ganz gut ohne das von ihm und seinem politischen Freuden angestrebte Landtagsmandat leben. Aber seine Familie hat ihn geprägt und er empfindet sein Engagement auch als Pflicht.

"Es ist eine alte Tradition meiner Familie, zu dienen", sagte von Gayling-Westphal, der in einer kleinen Runde von Parteifreunden von den Stimmberechtigten zu ihrem Landtagskandidaten im Wahlkreis 46, zu dem die östlichen Stadtbezirke der Stadt Freiburg, der Ostteil des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald sowie Teile des Landkreises Waldshut gehören, gewählt wurde. "Ich habe mich nicht zur Kandidatur gedrängt. Aber wenn es der Partei schlecht geht, müssen die alten Hasen ran", untermauert der Freiherr, der auch stellvertretender Vorsitzender des badischen Adelsverbandes ist, sein politisches Engagement.

N. von Gayling-Westphal

Privat: Jahrgang 1943, in Göttingen geboren und in Freiburg aufgewachsen. Studierte Philosophie und Soziologie. Übernahm mit 23 Jahren schrittweise das Schloss seiner Vorfahren in Ebnet mit 1400 Hektar Waldbesitz, den er mit fünf Forstleuten bewirtschaftet. Greift auch mal selbst zu im Wald. Hat sieben Kinder, ist Biolandwirt, liebt schöne Autos, Musik, Kunst, Reisen und seine beiden Hunde.

Politik: Ist seit 2009 im Stadtrat der FDP in Freiburg.

Engagement: Fördert Soziales und ist ein großer, Kultur- und Kunstförderer. Hat den "Ebneter Kultursommer" ins Leben gerufen. Fördert Schulen und einen Walldorfkindergarten, baute die St. Anna Kapelle in Ebnet und unterstützt unter anderem obdachlose Kinder, um nur einige Engagements zu nennen. (ker)

 
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