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Titisee-Neustadt - Herztransplantationen sind unter die Rubrik Organspenden einzuordnen und das ist nicht unbedingt ein Thema, welches die Menschen im Alltag beschäftigt. Es reicht ja noch, wenn es soweit ist, doch dann kann es zu spät sein. "Immerhin stehen in Deutschland 363 Spenderherzen rund 950 wartende Patienten gegenüber", informieren Franz Josef Leukel (59 Jahre) aus Titisee-Neustadt und Karsten Stelter (42 Jahre) aus Stühlingen, die ihr Leben und ihr neues Herz Organspendern verdanken.
"Und dafür sind wir unheimlich dankbar", strahlen die beiden Männer, die genau wissen, was es heißt, neues Leben geschenkt zu bekommen. Seit ihrer Herztransplantation verbringen sie einen Großteil ihrer Zeit damit, sich für diese wirkliche "Herzenssache" einzusetzen. Sie sind mit ihrem Informationsmaterial überall in der Region zu finden, mal auf einem Marktplatz, mal in einem Kino, wie vor kurzem in Titisee-Neustadt oder wie jetzt in der Volksbank der Wälderstadt.
"Es ist so wichtig, die Menschen von der Bedeutsamkeit zu überzeugen, dass eine Organspende und der damit verbundene Organspendeausweis, Leben retten können", unterstreichen die beiden Männer. Sie gehören dem "Arbeitskreis Herztransplantation Freiburg-Bad Krozingen" an. Stelter ist Vorsitzender des Vereins und Leukel Kassierer. Ihre Freude und ihre Dankbarkeit dafür, mit ihrem neuen Herzen "leben zu dürfen" ist ihnen anzumerken. Es fällt ihnen nicht schwer, das heikle Thema Organspende, das die Menschen lieber weit von sich weisen, näherzubringen und ganz offen darzulegen. "Ich habe die Schwelle vom drohenden Tod ins Leben durch die Herztransplantation geschafft und genieße jeden Tag", betont Stelter, der wie sein Kollege den Tag der geglückten Herztransplantation als seinen Geburtstag feiert. "Der Arbeitskreis Herztransplantation ist eine Selbsthilfe für Menschen mit und nach einer Herztransplantation", informiert Leukel, der lange Jahre in der ehemaligen Löffinger Firma Studer gearbeitet hat. Der gebürtige Düsseldorfer lebt schon seit 30 Jahren im Schwarzwald und fühlt sich hier daheim. Durch einen angeborenen Herzfehler wurde bereits 1973 eine Operation notwendig und sorgte für ein wenig mehr Lebensqualität. Doch dann folgten ständige Herzrhythmusstörungen, die immer öfters mit Elektroschocks behandelt werden mussten. "Dabei war die Angst immer das Schlimmste", erinnert sich der Rentner an diese Zeit vor 18 Jahren.
Etwas anders verhielt es sich bei seinem Kollegen Stelter, der Vater einer kleinen Tochter ist. Den 42-jährigen Baumaschinentechniker traf das Ganze eher unvorbereitet. Ein Virus beschädigte sein Herz so stark, dass er vor zwei Jahren ohne ein neues Herz gestorben wäre. Bei dem Familienvater lief es nicht ganz so glatt. Er hat schon zwei Abstoßungen hinter sich und er weiß deshalb genau, dass er sein Leben lang von Immundepressionen, das sind Medikamente zur Stärkung der Abwehrschwäche und zu Verhinderung einer Sepsis, abhängig ist. "Man sieht das Leben etwas anders, wenn man bedenkt, dass man schon zwei Jahre unter der Erde sein könnte", sagt er etwas nachdenklich. "Ich bin einfach dankbar, lebe und kann für meine Frau und für meine Tochter da sein", erklärt der Rentner. "Weil die Leistungsfähigkeit einfach nicht mehr da ist, muss man die Ziele anders setzen", fügt er noch hinzu.
Beide Männer kommen gut zurecht mit dem Herz eines anderen. "Wir haben es in großer Dankbarkeit angenommen und können gut damit leben", sind sich die beiden über die Bedeutsamkeit bewusst. Das eingespielte Zweierteam möchte, dass auch andere Menschen wieder Hoffnung haben dürfen und sie sind mit Begeisterung dabei, wenn es um die Aufklärung zum Thema Organspenden geht. "Wir haben Erfolg mit unserem Engagement und wenn wir Menschen für einen Organspendeausweis bewegen können, sind wir überglücklich, weil wir einfach wissen, was es heißt, neues Leben zu erhalten", verraten sie. "Schließlich kann es jeden Tag jeden treffen", geben sie zu bedenken und beraten den nächsten Passanten, der sich interessiert zeigt und hoffentlich einen Organspendeausweis ausfüllt.
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