|
Hochschwarzwald - Für Aufregung im Hochschwarzwald sorgt jetzt eine von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) herausgebrachte Broschüre, die für die "Hochkultur" der zehn Mitgliedsgemeinden werben soll. Grund für die Aufregung ist eine Kuckucksuhr, die das Deckblatt der Broschüre ziert. Allerdings zeigt sich dieses typische Schwarzwaldsymbol nicht in der gewohnten lieblichen Weise und wirkt auf manche Hochschwarzwälder eher abschreckend, als einladend.
Die große Kuckucksuhr, das Werk des Künstlers Stefan Strumbel, wird von einem schwarzen Totenkopf mit einem Knochenkreuz gekrönt. Zusätzlich ist die Uhr noch mit einem christlichen Kreuz sowie Flügeln verziert, die an einen Reichsadler erinnern. Weitere Verzierungsmerkmale des Schwarzwaldsymbols, das besonders bei den Amerikanern mit dem heilen "Black Forest" verbunden wird, sind zwei Sturmgewehre und ein weiteres metallisch glänzendes Knochenkreuz. Für besorgte Eltern, die ihren Kindern Gewaltfreiheit einprägen, dürfte hier Erklärungsbedarf entstehen.
Anders sieht es HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph, der anführt, dass man im Schwarzwald doch auch auf die Jagd geht und die Geschichte der Jagd schon immer mit Gewehren dargestellt wurde. "Die Uhr ist ein Kunstwerk", führt er außerdem an und schließlich werde mit dem Prospekt mit einer Auflage von 50000 Exemplaren für Kunst und Kultur geworben. Die Werke des Offenburger Künstlers Strumbel genießen Anerkennung, werden für bis zu 25000 Euro auf dem Kunstmarkt gehandelt. "Wir mussten hierfür nichts bezahlen, weil wir doch immer wieder mit ihm zu tun haben", versicherte Rudolph im SÜDKURIER-Gespräch. Außerdem habe er die Uhr in keinster Weise mit Nazidingen in Verbindung gebracht. Und auf den Totenkopf angesprochen, verweist er auf alte Uhren, wie beispielsweise eine Uhr aus St. Märgen mit einem Sensenmann. So seien auch auf den heutigen traditionellen Schwarzwalduhren immer wieder Gewehre zu sehen. "Sie werden ohne Diskussionen akzeptiert", wundert sich Rudolph.
Nicht ganz so harmlos sieht es dagegen der Schwarzwälder Brauchtumsforscher Rudolf Gwinner aus Löffingen. "Es ist fraglich, ob allen Betrachtern dieser Titelseite die Insignien auf Anhieb auffallen", glaubt er. "Grundsätzlich haben aber solche Dinge auf dem Titelblatt eines Prospektes, der zum Kennenlernen unserer Regionalkultur einlädt, nichts zu suchen", unterstreicht Rudolf Gwinner und fordert eine sofortige Korrektur. "Alles andere wäre imageschädlich, mit noch nicht absehbaren Folgen", ist sich der Heimatforscher sicher. Auf Gegenargumente der HTG anspielend, meint Gwinner: "Argumente, wie bewusste Verfremdung oder bestehende künstlerische Freiheit sind lächerliche Schutzbehauptungen und inhaltlich unangebracht." Dabei führt er auf, dass es erfreulichere Motive gebe, um für die Heimat zu werben.
Geschäftsführer Rudolph führt in einer öffentlichen Stellungnahme an, dass die HTG seit November 2009 mit einem 274 Seiten starken Image- und Gastgeberkatalog im In- und Ausland, wo keinerlei Kunstobjekte des Heimatkünstlers Strumbel oder ähnliche Werke integriert sind, wirbt. "Der Produktbereich Kunst & Kultur hat am 16. Januar 2010 einen Veranstaltungskalender auf den Markt gebracht und auf dem Titel eine Kuckucksuhr Stumbels ausgewählt, der internationale Anerkennung erlebt", unterstreicht Rudolph. Dabei weist er daraufhin, dass über den Künstler und seine Werke, erst kürzlich in der "New York Times" ein Artikel erschienen sei, wo auch die gleiche Uhr nur in Weiß abgebildet worden sei. Aus diesem Hintergrund und da es sich um einen neuartigen Kunst- und Kulturveranstaltungskalender handle, sei dieses Titelblatt ausgesucht worden. "Es darf bei dieser Gelegenheit erwähnt werden, dass die Broschüre seit zwei Monaten auf dem Markt ist und von tausenden Einheimischen und Gästen in den Händen gehalten wurde, ohne dass es bisher auch nur zu einer einzigen Reaktion gekommen ist", erklärt er. Bei der Verteilung auf Messen und bei Gästen sei man nur auf positive Resonanz gestoßen. Außerdem machte er noch darauf aufmerksam, dass er als Vater zweier Kinder jede Verherrlichung von Gewalt in Form von Spielzeug, Videos oder sonstigen Darstellungen ablehne.
Daneben drückt Rudolph unter anderem sein Bedauern darüber aus, dass sich einzelne Menschen hier persönlich getroffen fühlen und Irritationen entstanden sind. "Zielsetzung soll weiter eine gemeinsame erfolgreiche Vermarktung des Hochschwarzwaldes im In- und Ausland sein", versichert Thorsten Rudolph und teilt abschließend mit, dass das Titelblatt nach Abstimmung mit den Bürgermeistern des Hochschwarzwalds überklebt werde.
|