|
Titisee-Neustadt - Noch nicht vergessen ist das Erdbeben am 12. Januar in Haiti, das Tausenden von Menschen das Leben kostete und viele von ihnen zu Obdachlosen machten. Nur vier Tage später war Thomas Moch, Anästhesist der Helios Klinik Titisee-Neustadt und Katastrophenarzt des Deutschen Roten Kreuzes, zusammen mit Kollegen auf dem Weg in die Karibik, um Hilfe zu leisten. Diese Woche folgt mit seinem 42-jährigen Kollegen Lorant-Alin Stoica, Chirurg, der zweite Arzt aus der Region, der nach Haiti fliegt und Mochs Arbeit übernimmt.
"Am Mittwoch, 13. Januar kam der Anruf der DRK-Zentrale, am Donnerstag bin ich nach Berlin gefahren, am Freitag haben wird das Flugzeug beladen und am Samstag ging's los, informierte Moch jetzt die Öffentlichkeit über die schnelle Hilfereaktion.
Neben dem 57-jährigen Neustädter Arzt, der in Breitnau wohnt, befanden sich an Bord des Flugzeugs elf weitere Mediziner, sowie Pflegekräfte, Funktionspersonal und Techniker. "Insgesamt waren es 60 Mitarbeiter und ein komplettes Krankenhaus samt Personal", verdeutlichte Moch. Die Basispoliklinik wurde dann im Stadion von Carrefour, 25 Kilometer südlich von Port-au-Price, aufgebaut. Neben den deutschen Katastrophenhelfern bestand das Team aus Finnen, Dänen, Kanadiern, Belgiern und Schweizern. "Normalerweise sind wir nur zwischen 20 und 25 Helfer, die beim Einsatz von Einheimischen unterstützt werden; aber dieses Mal waren einfach mehr Helfer nötig", informiert er über die schwierige Situation dort. In den Zelten ist alles, was zum Betrieb eines Feldkrankenhauses benötigt wird, untergebracht. Das sind zwei Operationssäle, rund 150 Betten, eine Röntgenabteilung, ein Labor und eine Funktionsdiagnostik. "Das Feldkrankenhaus ersetzt die zerstörte Infrastruktur und bleibt vor Ort, bis lokale Strukturen wieder aufgebaut sind", unterstreicht Moch die Notwendigkeit dieser Einrichtung, die der Grundstock für ein neues Krankenhaus ist.
Unterdessen wird auf dem Berliner Flughafen Schönefeld bereits ein neues Krankenhaus zusammengestellt. Bis es wieder abrufbereit ist, dauert es zirka drei Monate. Autark sind die DRK-Mitarbeiter während eines solchen Einsatzes, weil sie ihre eigenen Lebensmittel dabei haben. "Das reicht, weil danach die normalen Nachschubwege wieder funktionieren", informiert der Arzt. "Doch das wichtigste ist, dass wir diesen Leuten neue Hoffnung geben", verdeutlicht er weiter. Ständig belegt sind die etwa 100 zur Verfügung stehenden Betten und 250 Patienten täglich nehmen die ambulante Behandlung in Anspruch. Allerdings war das Team um den Neustädter Arzt nicht für die Versorgung der Akut-Erdbebenopfer zuständig. "Unsere Zuständigkeit war die reguläre Krankenversorgung, wie Blinddärme, Knochenbrüche und Geburten, denn Kaiserschnitte sind so ziemlich das erste, was wir immer machen, denn den Kindern ist es egal, ob es gerade eine Katastrophe gab", klärt der Mediziner auf. Aber man ist auch auf die Hilfe der Haitianer angewiesen, die beim DRK angestellt werden und beim Aufbau der Feldklinik mithelfen. "Ohne sie ginge es nicht", meint Moch, der die Situation vor Ort als reines Chaos bezeichnete. Dennoch gab es glücklicherweise keine Attacken gegen die internationalen Helfer, obwohl es teilweise ziemlich hektisch zuging.
Bedauerlich findet der erfahrene Mediziner, dass die Haitianer schon vor dem Erdbeben wenig hatten und selbst das wenige noch verloren haben. Besonders berührte ihn, das Schicksal der Kinder und Waisen. "Oft wurden Kinder von ihren Eltern im Krankenhaus zurückgelassen, in der Hoffnung, dass man sich dort um sie kümmert, um ihnen eine besseres Leben als bei den Eltern zu bieten", untermauert Moch, der seit vielen Jahren zu weltenweiten Katastropheneinsätzen gerufen wird, die schwierige Situation vor Ort.
|