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Arisierung weckt Betroffenheit PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Angéle Kerdraon   
Monday, 16. November 2009

Titisee-Neustadt - Den Finger in die Wunde legte der renommierte Autor und Regisseur Michael Verhoeven mit seinem kritischen Zeitdokument "Menschliches Versagen". Am Montagabend war Verhoeven, Ehemann von Schauspielerin Senta Berger, zu Besuch im Schwarzwald. Er nahm diese Gelegenheit trotz zahlreicher Verpflichtungen wahr und stellte sich nach der Filmvorführung im "Krone Theater" in Titisee, den kritischen Fragen eines interessierten Publikums.

Die zirka 100 Kinobesucher setzten sich engagiert mit dem Film auseinander, der die Enteignung der jüdischen Mitbürger genauer hinterleuchtet. In seiner Dokumentation behandelte Verhoeven anhand der konkreten Geschichten von Betroffenen den Vorgang der Ausgrenzung, Entrechtung und Enteignung und die sich anschließende Deportation. Dabei stand weniger die brutale Auslöschung von Millionen Menschen im Vordergrund. Vielmehr behandelte Verhoeven die Anfänge des Verbrechens mitten in einer "normalen" Gesellschaft, die die sogenannte "Arisierung" zuließ, ohne etwas dagegen zu unternehmen, dass jüdisches Eigentum und Vermögen einfach weggenommen wurde. Dabei versucht er die Wege der vollständigen Ausraubung der jüdischen Bevölkerung zu klären, die nach dem Krieg durch Rückerstattung oder Schadenersatz nur zu einem geringen Prozentsatz wieder gut gemacht worden ist.

In seinen Nachforschungen stieß er erst vor sechs Jahren mit Hilfe von Zeitzeugen und Wissenschaftler aus München, Köln und Düsseldorf auf Akten, die beweisen, dass es nicht unbedingt die Gestapo war, die in die jüdischen Wohnungen eindrang, um den gesamten Besitz zu beschlagnahmen. "In Wahrheit war die Arisierung einer der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts, begangen von deutschen Finanzbeamten, die dafür sorgten, dass die großen Vermögen an die Finanzbehörden und das kleine Hab und Gut über Judenversteigerungen an die Schnäppchenjäger ging", so der Regisseur. In den gefundenen Akten sind auch die Namen der "neuen Besitzer" verzeichnet. Auf wundersame Weise sind diese Akten aber nach dem Film verschwunden. Warum wohl? Eine ungeklärte Frage, auf die es keine Antwort gibt und das Publikum am meisten erregte. Auch die Aussage des Historikers Götz Aly, die Enteignung habe für einen Profit gesorgt, an dem die gesamte Restbevölkerung beteiligt gewesen sei sowie seine Aussage "Das Geld wurde unter anderem für Rentenerhöhungen oder Kindergeldzahlungen verwendet", erzeugte große Nachdenklichkeit.

Nicht zuletzt auch die Tatsache, dass der Erlös des Zahngoldes der Juden für den Krieg verwendet wurde. Respekt zollte das Publikum dem jungen Mann, der trotz des Widerstandes seiner Mutter, einen einmal vermutlich mit jüdischen Besitztümern gefüllten Koffers fand und ihn seiner rechtsmäßigen Besitzerin zurückbrachte. Als sie ihn nach Jahrzehnten öffnet, ist er leer. Der Überbringer ahnt, worauf der Wohlstand seiner Familie gegründet ist. Der Filmtitel "Menschliches Versagen" sagt wohl alles.

Der Film wird in vielen deutschen Kinos gezeigt. Verhoeven reist nächste Woche mit seiner Frau Senta Berger nach Israel, um anwesend zu sein, wenn der Film in Haifa und in anderen großen Städten vorgeführt wird.

 
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