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Titisee-Neustadt - Wer jetzt im Wald spazieren geht, dem begegnen sie wieder, die Pilzsammler, ausgerüstet mit Körbchen, in denen sie die gesammelten Kostbarkeiten fachgerecht nach Hause transportieren. Doch nicht immer sind auch alle Pilze genießbar, die im Kochtopf landen. Schon ein einziger Gallenröhrling kann das leckerste Pilzgericht gründlich verderben.
"Am häufigsten wird der Gallenröhrling mit dem wohlschmeckenden Steinpilz verwechselt", weiß die geprüfte Pilzsachverständige Doris Laber aus Titisee. Die Mykologin aus Titisee räumt auch mit dem landläufigen Vorurteil auf, dass der rote mit weißen Punkten verschönerte Fliegenpilz der giftigste Pilz des Waldes ist. "Der giftigste Pilz ist der spitzgebuckelte Rauhkopf (Cortinarius rubellos), dessen Farbe ins Orange geht und dessen tödliches Gift besonders heimtückisch wirkt, weil er zu einem langsamen Nierenversagen führt", informiert sie. "Deshalb sollte man wirklich nur Pilze suchen, die man kennt und wenn man es nicht genau weiß, kommt man lieber zur Pilzsachverständigen, um auf Nummer sicher zu gehen", appelliert sie an die Pilzsammler. Im Schwarzwald ist das bei fast allen Pilzsammlern der Pfifferling, der aufgrund seiner gelben und leuchtenden Farbe auf dem Waldboden gut sichtbar ist.
Auch der Steinpilz gehört zu der Sorte, die sich am häufigsten in den Körben der Schwarzwälder finden. "Bei den meisten fängt das Pilzsammeln auch mit den Pfifferlingen und den Steinpilzen an", sagt Doris Laber.
Klar, dass man nicht alle Sorten kennen kann. Schließlich gibt es über 3000 verschiedene Pilzarten. "Hier im Schwarzwald wachsen zwischen 800 und 900 verschiedene Pilze und davon sind zirka 100 essbar", verrät sie. Seit 1972 gehören sie und ihr Mann Peter zu den Pilzsammlern und beide haben in Hornberg die dreitägige Prüfung zu "Pilzsachverständigen" abgelegt. Sie wissen so ziemlich alles über die Schwammerl, wie sie in Bayern oder Österreich genannt werden.
Doris Laber schreibt gerade ein Fachbuch über die Pilzarten in den Mooren und weiß, wie schnell man einen Pilz mit dem anderen verwechseln kann. Über 600 Pilze hat sie in 120 Exkursionen genauestens studiert und davon 99 detailliert typisiert. Auch beim Pilzsammeln gibt es verschiedene Regeln. Die Pilzkennerin erinnert daran, dass es eine Mindestmenge gibt, die ein Sammler an einen Tag mit nach Hause nehmen darf und die liegt bei höchstens einem Kilogramm, was gut für ein Essen reicht. "Schließlich wollen die anderen Sammler ja auch noch etwas", betont sie mit dem Blick auf die sogenannten Raffer, die beim Pilzsammeln schnell ihre unermessliche Jagdleidenschaft entdecken. Beim Pilzsammeln gibt es einiges zu beachten. "Am besten ist es, wenn der Pilz aus dem Boden herausgedreht und dann gleich an Ort und Stelle ziemlich gut geputzt wird", klärt sie auf. Dann sollte der Sammler die Pilze nicht in einen Plastiksack, sondern vorsichtig in einen Korb legen, damit sie keine Druckstellen bekommen. Wichtig ist außerdem, dass Luft an die Pilze kommt und dass sie, wenn möglich, noch am gleichen beziehungsweise höchstens am nächsten Tag zubereitet und gegessen werden. "Geht das aus Zeitgründen nicht, dann bitte die Pilze luftig auf dem Balkon oder im Kühlschrank aufbewahren und am nächsten Tag zu einem Gericht verarbeiten", gibt die Mykologin ihren fachlichen Rat weiter.
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