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Schollach - Von der pulsierenden Großstadt Berlin in das beschauliche Schollach im Hochschwarzwald. Krasser könnte der Unterschied wohl nicht sein. Dort, wo sich Hase und Fuchs noch gute Nacht sagen, hat die Berliner Schriftstellerin Barbara Bollwahn als neue Dorfschreiberin für die nächsten zwei Monate ein neues Domizil gefunden. Die 45-Jährige mit "Berliner Schnauze" fühlt sich wohl in der ländlichen Idylle und kann sogar schon einige Schwarzwälder Ausdrücke, die sie in ihrem neuen Buch, das sie gerade schreibt, verwerten möchte. Dank eines Stipendiums des Förderkreises Kreatives Eisenbach kann sie sich den "Luxus leisten", wie sie sagt und entspannt ihren neuen Roman fertig schreiben.
Es ist ein schöner Sommertag. Das Fenster in der alten niederen Stube ist weit geöffnet und gibt den Blick auf grüne Wiesen und dunkle Wälder frei. "Bei diesem Ausblick habe ich das Gefühl ich sitze den ganzen Tag inmitten der fetten Wiese, umgeben von Tannen und Kühen", beschreibt die in Sachsen geborene Autorin in reinstem Hochdeutsch ihren Aufenthalt im Dorf. "Ich bin jetzt schon mehr als zwei Wochen hier und die sind wie im Fluge vergangen", sagt sie und kann bereits auf einige Seiten Manuskript für ihren neuen Roman verweisen. Dabei geht es um ein junges Mädchen, das in Berlin lebt und sich im Schwarzwald auf die Suche nach ihrem ihr unbekannten Vater begibt. "Genau wie ich, weiß auch das Mädchen nicht mehr vom Schwarzwald, als dass dort die Frauen mit Bollenhut herumlaufen und es hier eine wunderbar schmeckende Schwarzwälder Kirschtorte gibt", verrät sie. Spätestens seit ihrem Aufenthalt in Schollach ist das anders. Sie hat festgestellt, dass die Frauen keinen Bollenhut tragen, aber die Kirschtorte wirklich so lecker schmeckt, wie man es ihr nachsagt. Und auch, dass hier die Leute nicht so offen sind wie in Berlin, sondern eher zurückhaltend und abwartend.
Dass der Schwarzwälder auch anders sein kann, hat sie schon nach einigen Tagen bei einem Bierchen im "Bierhäusle" bemerkt, wo sie mit einigen Einheimischen ins Gespräch kam und nette Leute kennenlernte. "Der Wirt, der Gutscht, ist ein Genie und bringt gerne die Leute ins Gespräch miteinander", lacht sie etwas schelmisch. Sie möchte die Leute ja nicht ständig vollquasseln, aber ins Gespräch kommen würde sie schon gerne mit ihnen und ihnen helfen, ein paar Vorbehalte im deutsch-deutschen Verhältnis auszuräumen. "Im Dorf sprechen dich die Leute nicht unbedingt an und sind ziemlich verschlossen, aber in der Wirtschaft ist das anders", hat die Berlinerin festgestellt. Es gibt schon einen Unterschied zwischen den Menschen, die im Förderkreis sind und den Landwirten im Dorf. "Mit dem Kulturleben, wie es im Verein gelebt wird, hat nicht unbedingt jeder Bauer etwas am Hut und Lesungen sind denen ziemlich wurscht", hat sie auch schon erkannt und sich damit abgefunden. Sie zeigt Verständnis dafür und geht jetzt eben selbst auf die Menschen zu. "Ich bin schon glücklich, wenn ich dann alles verstehe", meint sie und holt einen kleinen Notizblock aus der Schublade. Die Seniorsbäuerin ihrer Gastgeberfamilie übersetzt ihr freundlicherweise typische Schwarzwälder Ausdrücke ins Hochdeutsche. Sie erfährt so, dass der Schwarzwälder mit "Schienzele" die Kartoffelschale meint und hilft ihr damit sehr. Irgendwann sollen die Schwarzwälder Ausdrücke im neuen Roman verarbeitet werden. Überhaupt hat Barbara Bollwahn schon mit der alten Bäuerin Freundschaft geschlossen, fährt mit ihr zum einkaufen und begleitet sie zum Arzt. Manchmal schwingt sie sich auch auf ihr altes Fahrrad mit zwei Gängen, das sie vom Förderverein geschenkt bekam, um ihre Einkäufe zu tätigen. Doch meistens sitzt sie in der Stube oder vor dem Haus und schreibt an ihrem Roman.
Die ländliche Abgeschiedenheit macht der Großstädterin, die nicht jeden Tag Hochkultur haben muss, nicht viel aus. Sie hat Erfahrung damit, denn ihre ersten beiden Bücher hat sie in einem noch älteren Haus in einem Bergdorf im Tessin geschrieben. Für die 45-jährige Schriftstellerin war es vor einigen Jahren ein Glücksfall, dass ein Lektor des Stuttgarter Thienemannverlag sie fragte, ob sie es sich vorstellen könnte, Jugendromane zu schreiben. "Und ob ich mir das vorstellen konnte", erklärt die heute erfolgreiche Jugendroman-Autorin, von der 2006 Mädchenroman "Mond über Berlin" und im Sommer 2007 der fast autobiografische Ost-West-Jugendroman "Der Klassenfeind und ich" sowie ein weiterer Mädchenroman "Glücksmuscheln" erschienen sind. "Ich habe einfach Gefallen am Bücher schreiben gefunden", betont die Zeitschwarzwälderin und schielt nervös auf den Computer. Schließlich ist sie ja zum schreiben hierher gekommen und der Roman muss spätestens im November fertig geschrieben sein.
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